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Blau-Weiss-Blätter · 1921-05-01 · 8-10 (5.1921) · p. Seite 186

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1920-1921)
Issue
8-10 (5.1921)
Date
1921-05-01
Page
Seite 186 (sequence 56)
Language
German
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Kosrnosbücher. Die meisten Kosmosbücher werden für uns nurmit Voreicht zu verwenden sein, da ihre Art, Gegenstände zu vermitteln, in der Regel der unseren entgegengesetzt ist. Zugrunde liegt ihre Methode unausgesprochen die Anschauung, Wissenschaft sei eine Sache, die in ihrer Härte und Strenge bloss den wenigen Gelehrten zugänglich sei, dem grossen Publikum aber, das garnicht ernsthaft lernen und sich bemühen, sondern sich nur „zerstreuen4' will, immer in einer der Strenge und Härte beraubten unterhaltsamen Form dargeboten werden müsse. Am Anfange steht eine spannende Schilderung einer modernen Schlacht, und ehe der .,liebe Leser'4 es sich versieht, ist er mitten in eine in flüssigem Plauderton gehaltene, von mannigfachen Anekdoten gewürzte Untersuchung über Biologie der Sinnesorgane verwickelt, die garnicht viel lange weiliger zu lesen ist, als der gestern gelesene Roman. So wird ihm die „bittere" Wissenschaft durch starken Zuckeraufguss schmackhaft gemacht. Ihres eigentlichen Wertes für seine Bildung ist Bie damit allerdings beraubt. Denn hierfür kommt es nicht darauf an, dass, der Lernende neue Ergebnisse als Fertigprodukte empfangt und seinem Gedächtnis einverleibt, Bondern dass er in den Gang der Forschung eindringend vorn Grund zu Grund fortschreitet und dann das Ergebnis als letztes Glied dieser Reihe von Gründen begreift. In der Bemühung des Fortschreitens von Grund zu Grund, in der Ernsthaftigkeit, mit der die wissenschaftliche Aufgabe gesehen und ihrer Lösung nachgegangen wird, hierin liegt der Wert dar Wissenschaft für die Bildung de» Lernenden beschlossen. Die popularisierendnovellistische Methode, die hinter der Ernsthaftigkeit die Langeweile gähnen sieht, schaltet damit den wesentlich erziehliehen Faktor wissenschaftlicher Arbeit aus, nämlich dass eine Sache um ihrer selbst betrieben und nicht zu ausserhalb belegenen Zwecken der Zer* Streuung missbraucht wird. Sie hat keinen Blick für den besonderen Reiz der Bemühung um die Wahrheit und um eine Sache überhaupt; sie weiss nichts davon, dass keine Wissenschaft es nötig bat, sich mit erborgten Reizen interessant zu machen, sondern jede in sich, in ihrem besonderen Aufbau und der Eigenart ihrer Methode für den Lernenden interessant genug ist. In stofflicher Hinsicht bietet die Kosmos-Bücherei allerdings manche* wertvolle Material, das uns gute Dienste leisten kann. Und hat man den Blick der Jungen erst einmal für die Mängel der Darstellung geschärft und in ihnen ein Gegengefühl gegen die Unreinlichkeit der Methode wachgerufen, dann wird man ihnen die besseren der Bücher, ohne eine Verkitschung ihrerNeigung zur Wissenschaft befürchten wt brauchen, ruhig in die Hand geben können. & 186

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