Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 8-10 (5.1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- Seite 184 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2708691-2708699-2708704--308-2709044- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Frans. M. Böhme „Altdeutsches Liederbuch- (Leipzig, Breitkopf u. Härtel 1877) ist Hauptquelle der alten Lieder (Landsknechtslieder usw.), die bei uns gesungen sind. Aus ihm ist noch sehr viel Schönes herauszuholen. Sein besonderer Vorzug ist das eingehende Vorwort, welches genaue Aufschlüsse über alle Einzelheiten der Notenschrift und der Entstehung vonTexten und Melodien gibt. In der ersten!Blütezeit der polyphonen Musik (15. u. 16. Jahrh.) war es beliebt, eine bekannte Weise als Hauptmelodie (cantus firmus) kleiner Kompositionen zu benutzen. Die deutschen Meister (die bedeutendsten : Heinr. Isaak, Ludw. Senfl) haben eine Unzahl meist 3- und 4stimmiger Sätze der alten deutschen Volkslieder geschaffen. Diese Sätze können zur Einführung in das musikalische Empfinden jener Zeit dienen; sie gehen uns verhältnismässig leicht ein, da ihre Melodien uns bekannt sind. Rochus von Liliencron „Deutsches Lehen im Volkslied um 1530" (Deutsche Nationalliteratur Stuttgart 1884) gibt unter anderem eine gute Auswahl dieser Sätze. Leicht werden Bich Sätze wie „Wir zogen in das Feld*' (NB. das Lied ist in allen Quellen in Dur gesetzt; es ist so viel stärker als die willkürlich nach Moll transponierte Lesart des Zupfgeigenhansl und der Liederbücher, die von ihm übernommen haben), „Wo soll ich mich hinkeren", „Bauer und Bär" u. a. singen lassen. Isaaks „Innsbruck, ich muss dich lassen*'kann folgen. Dann werden auch schwerere Sätze, wie die starke „Bauernschlacht", das ö für das Singen. schöne „Vonerat so wöll wir loben** (Schenkenbach), verständlich werden und viel Freude machen. In aer Notenbeilage folgt ein Lied diese* Buches, welches im Aufsatz über Musik besprochen ist. Von verschiedenen Liedersammlungen des 16. Jahrhundert», deren Stimmhefte seinerzeit im Druck er* schienen, sind neue Partiturausgabeii herausgekommen, die jedem, der tiefer eindringen will, umfangreiches Stoff bieten. In der Sammlung „Publikation älterer praktischer und theoretischer Musikweike des 15. und 16. Jahrhunderts" (Verlag M. Bahn — T. Trautwein, Berlin), die seit 1873 erscheint, liegen vor Ott 8, Oeglins und Heinr. F nkhs Liedersammlung, ausserdem von der bedeutendsten Sammlung Q. Försters der 2. Teil, die grossenteils leichten Scherzlieder. Diese Ausgabe zeichnet sich au« durch vollständige Textunterlage und meist Beigabe eines Klavierauszugs, derdieUeberaicbt erleichtert. Weitere Neudrucke alter Lieder» Sammlungen vfinden sich in den „Denkmälern der Tonkunst**» den „Denkmälern deutscher Tonkunst", den „Denkmäler» der Tonkunst in Oesterreich.* Das berühmte „Locheimer Liederbuch44 ist erschienen in den Jahrbüchern für musikalische Wissenschaft, herausgeg. v. Fr. Chrysanden 2. Band. Leipzig, Breitkopf * Härtel, 1867. Ausführliche Angaben finden sich in den Quellennachweisen in Böhme & Liliencron. Eine Anzahl der alten Sätze findet sich auch in demnVolkaiiederbuch für Männerchor" «b* 184