Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 8-10 (5.1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- Seite 178 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2708691-2708699-2708704--302-2709038- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Den veiel und grünen kle / Vorm wald da hört man singen / Der kleinen vöglein gsang/ Sie singen mit heller stimme / Den ganzen sommer lang. Also entsprechend den Verszeilen. Am Anfang die Tonicatöne (FCAF) gleich lang. Der erste harmoniefremde Ton (Q der Dominante) durch doppelte Länge hervorgehoben, Auflösung nach oben (A) setzt die Aufwärtsbewegung F Q fort. Der nächste Abschnitt, ohne Pause angeschlossen, steigert die Abwärtsbewegung. Das hohe D doppelt lang als höchster und harmoniefremder Ton (Unterdominante), insofern dem ebenso langen Q entsprechend. Nun Auflösung nach C und damit Beginn der Abwärtsbewegung, die mit ihren Sekundschritten die sprunghafte Aufwärtsbewegung mildernd abschließt, aber anhaltend auf dem Q, zur Vorbereitung des Schlußes. — Diese Begründungen lassen sich nachprüfen. Man denke „hinnen* mit G F, anstatt Q A vertont, dann erscheint die folgende Aufwärtsbewegung (F) A D übertrieben und absurd. Oder man denke auf „blebens ist hie nit me* einfach DCBAQF ohne den Aufenthalt durch das doppelte, |für die anderen Strophen wegen *des abweichenden Textrbythraus: das doppeltlange) C und das verlängerte Q. Dann gäbe sich dieser Teil nicht als Beruhigung und Abschluß, sondern als neues Bewegungsmotiv, dis seinerseits des Abschlußes bedürfte. Der Abschnitt wird mit neuem Texte wiederholt; viele anderen Lieder der Zeit haben ebenfalls die Wiederholung der Acfangsmelodie bei fortlaufendem Text. Die folgenden Abschnitte werden fast nie in dieser Weise verdoppelt Oft findet man eine Wiederholung am Schluß, aber dann betrifft sie vor alleni den Text, während die zugehörige Melodie manchmal Abweichungen zeigt (Bei* spiele: Zupf, S.6, 20, 21, 38, 125, usw.). Es ist mir leider bis jetzt nicht gelungen, über den musikalischen Sinn dieser Bauart klar zu werden, die auch 200 Jahre später im Anfangssatze der klassischen Sonate deutlich wiederzuerkennen ist Vielleicht ist die Wiederholung des Anfanges ein „retardierendes Moment*, da» die am Anfang noch unentwickelte musikalische Spannung hinreichend erröht, um sie in den reicheren Folgeteilen zu entladen. »Vorm wald, da hört man singen* rhythmisch und harmonisch dem Anfang gleich und an ihn anknüpfend, bringt aber eine neue Bewegungsart; 2 §k**cJi hohe Tönet 2 gleich hohe titfere, ein höherer und ein tieferer. Ein deo^^e* Hin und Her^ sehr im Gegensatz zu den größeren Linien des Anfanges. I^cse Neuerung wird nun von dem nächsten Abschnitte höchst wirkungsvoll geste gsr. Die Intervalle sind größer, eia wiegender Rhythmus wird bemerklich, dieser Abschnitt als erster steht ganz in der Dominante (betont O B 6). Das Lied bat Vieh stark von seinem anfänglichen Charakter entfernt und muß sich jetzt z» diesem zurückfinden. Die Rückkehr vollzieht sich in den 5 hohen C» die den folgenden Abschnitt kennzeichnen: C verbindet Dominante und Tonica; die 5 gleich hohen bis auf den letzten gleich langen Töne kontrastieren kraftig zu der wiegenden Art der Vortakte, ohne doch den anfänglichen Charakter des Liedes schon setzt völlig wieder zu gewinnen. Das längere C ist die letzte Verzögerung. Nun 178