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Blau-Weiss-Blätter · 1921-05-01 · 8-10 (5.1921) · p. Seite 176

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1920-1921)
Issue
8-10 (5.1921)
Date
1921-05-01
Page
Seite 176 (sequence 46)
Language
German
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Den bisher gefundenen Ausdruckscharakter bestätigt das harmonische Bild des Liedes. Was heißt „Harmonie eines Themas"? Man kann auf öeT Klampfe oder dem Klavier Accorde spielen, die zu dem Thema völlig sinnlos klingen, und darauf die richtigen Begleitaccorde. So wird es begreiflich, dal wirklich gerade diese Accorde irgendwie für die Melodie bezeichnend stE& Mehr braucht man am Anfang nicht zu zeigen. 1 enthält die Töne des Tonika-Dreiklanges, d. h. des Accordes, der zu dem Schlußton gehört uud der überall im Liede durchlaufen wird. Was bedeutet gerade am Anfange dieses Auftreten aller Accordtöne? Die Tonart wird mit Entschiedenheit angezeigt (beim Gegenbeispiel eine Tonleiter am Anfang)*)* Jetzt ist der Hörer für die reiche Modulation von 2 vorbereitet (Tonica, Dominante, Unterdominante, Dominante); nun als stärkster Teil 3, die Dominante in ihrer ganzen Fülle durchlaufend (betont: A, D, A, Fis). 5 steigt durch diö Tonicaterz G (A) H zur Dominante, dieser Uebergang in 5a wiederholt und hervorgehoben. 6 stellt dem Dominanten-D aus 3 prächtig das D der Tonics entgegen; von diesem steigt das Lied in einfachen festen Schritten zum Grund* ten zurück. So wird am Schluß entschieden die Grundtonart wiedererwötben und entfaltet (Gegenbeispiel). IL Canon. (Nur für das einfache Hörenlernen von Polyphonie kommt der Canon in Betracht. Die bei uns bekannten Canons sind meist nur formal polyphon, ohne daß die Polyphonie künstlerisch sehr wirksam würde. Wahre Polyphonie, wie bei Bach oder in den Liedern der *Reformationszeit, können wir in Werken der klassischen oder der nachklassischen Stilperiode nicht erwarten.) „Ein jeder fang's beim Rechten an" (Notenbeilage). Takt? •/*, wie Uhren ticken. Charakter der Melodie: Sie geht stufenweise in die Höhe» und gerade» wenn sie oben ankommt, springt sie wieder auf die untere Stufe. Genauer, wie steigt sie? Sie bleibt 7 Achtel auf einen Ton, beim 8ten Achtel läuft sis ohne Sprung in 2 Sechzehnteln hinauf zur nächsten Stufe: plötzlich» wenn min die 2 Sechzehntel zum 3ten Male erwartet, schlägt schon die oberste Stufe as und darauf statt eines höheren Tones die untere Oktave. Die Abschnitte beginnen beim 8ten Achtel, nicht beim ersten (Auftakt); diese Einteilung wirkt überraschender, bewegter, als die Gliederung, die mit der Takteinteilung zusammenfällt. Wie erscheint diese Tonbewegung, wenn alle (4) Stimmen singen? Die sind immer bei der aufsteigenden Bewegung, verschieden weit vorgeschritten, die vierte springt herunter; eine Bewegung, wie sie beim Reigentans auftreten könnte. —- Wer nicht ordentlich hkhört, dem erscheint das Ganze als der monoton Takt für Takt wiederholte Oktavenschritt mit dreistimmiger Begleitung. Das wäre homophone Musik. Um die richtige polyphone Bauart des Stuckes deutlicher za machen, kann jede Stimme den Aufstieg. lauter werdend singen und nach dem Schluß plötzlich leise werden. •) Ein Gegenbeispiel ist ein Mittel, um za zeigen, dass wirklich eine besprochene Erscheinung gerade für dieses Lied charakteristisch, nicht allen —fr**? gemeinsam ist. Keinesfalls darf durch den übermässigen Gebrauch dieses M*« _ die Betrachtung eines Inhalts sich zur Aufzählung von Möglichkeiten verflüchtig 176

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