Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 8-10 (5.1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- Seite 175 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2708691-2708699-2708704--299-2709035- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
äjuB*gQ$znach der Beschaffenheit des Kreises zwischen Dialog, Vortrag oder Besprechung eines von allen vorbereiteten Stoffes wechseln. 1. Lied im „thematischen0 Stil.*) * Lilie. (Zupf, Aufl. 1915 S. 161 — G-dur. In vielen Bünden abweichend gesungen. Siehe den genauen Notentext im Zupf.) Welcher Takt? Man kann dazu marschieren, also 4/4. Ist der Takt sehr spürbar oder sehr undeutlich? Sehr deutlich. Warum? Auf jeden Marschtritt fällt meist nur ein Ton, oft sind 2Viertel hintereinander gleich hoch (Gegenbeispiel: Horch, wer kommt von draußen rein). Wie wirkt diese Betonung des Taktes? Das Lied erscheint männlicher, fester als etwa das Gegenbeispiel. Gliederung: 1. Lille, du allerschönste Stadt 2. Du, du bist so fein und glatt. 3. Schaue meine Liebesflammen: 4. Ich lieb* dich vor allen Damen. 5. Mein herzallerschönster Schatz. 5a. Schönster Schatz. 6. Mein herzaller« schönster Schatz. Welche Beziehungen zwischen den Gliedern? 1 und 2 haben gleichen Rhythmus (7 Viertel ohne Auftakt und Lücken). 3 und 4 sind gleich. 5 und 6 haben (bis auf das punktierte Viertel in 6) gleichen Rhythmus wie 1 und 2 5a wiederholt den 2. Takt von 5. Der Aufbau ist hier also einfach. Anfang und Schluß aus rhythmisch gleichen symmetrischen Doppelgliedern. Ein kurzer, wiederholter Mittelteil von etwas anderem Rhythmus. Das Gegenbeispiel hat'eine kompliziertere „verschränkte" Gliederung. Anwendung auf den Bewegungs- und Ausdruckscharakter der beiden Lieder. Wie verläuft die Tonbewegung? 2 läuft gewissermaßen parallel 1. (Fallen bis zum 3. Viertel, Steigen von dort zum 5.) und liegt durchweg höher. 3 beginnt mit dem A, auf dem 2 endet springt auf den höchsten Ton des Liedes (D) und fällt dann schnell durch eine ganze Oktave; Viel siärkere Bewegung als 1 und 2; 3 enthält ferner die ersten und einzigen Achtel („Liebes*), füllt 2 ganze Takte, ohne das letzte Viertel frei zu lassen. So bringt 3. gegen 1 und 2 starke Neuerungen und der Abschnitt wurde bei der sparsamen urd eindringlichen Art dieses Liedes schon sprunghaft wirken, wenn er nicht wiederholt würde. In seiner Doppelung aber stellt sich der Mittelteil als unzweideutig gewollter Höhepunkt der rhythmischen und melodischen Bewegung dar. — 5 gibt wieder eine Melodie von kleineren Intervallen (nur Sekunden) "und dem ruhigeren Rhythmus der Anfangstakt© (beachte das Wiederauftreten der Viertelpause!). Die Symmetrie wird durch den Takt 5a und das plötzliche punktierte hohe D am Taktanfarge von 6 durchbrochen. Welche Wirkung hat der Schluß? Er mäßigt die Steigerung von 3 und 4, ohne bis zur letzten Note an rhythmischer Gespanntheit zu verlieren. Diese wird durch das deutliche, aber nicht unruhige Abweichen von <3er Symmetrie und dem Rhythmus des Anfanges unterstützt. Jene Abweichungen geben dem Endabschnitt seine Geschlossenheit gegen die anderen Teile (entsprechend im Text: Strophe 1, 2, 3 und 6.). Das Gegenbeispiel zeigt mit »einer Wiederholung („ Wird's wohl nicht gewesen sein*) des an sich schon verlangsamten 2. Themas sehr deutlich ein umgekehrtes Verhalten.— *) Wegen der technischen Schwierigkeit des Kotendruckes sind die Liedooten durch die zugehörigen Textsilben ersetzt. 175