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Blau-Weiss-Blätter · 1921-05-01 · 8-10 (5.1921) · p. Seite 171

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1920-1921)
Issue
8-10 (5.1921)
Date
1921-05-01
Page
Seite 171 (sequence 41)
Language
German
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wendet: nur außen, innen gemusterte Papiere oder umgekehrt; nur in Farben unterschieden). Wie weit man den Bucheinband dem Buche entsprechend charakterisieren dar! und kann, soll jedem überlassen bleiben, darf aber nicht, wie gerade bei selbstgebundenen Büchern oft, zu weit getrieben werden. Wichtig ist auch die Beschriftung, deren Ausführung schriftgeübte Leute voraussetzt. Naives Nachahmen vorhandener Schrift ist scheußlich. Im Verlage von Heintze und Blankertz, Berlin, sind Schriftenhefte erschienen, die Schriften zum Selbsüernen bringen. Alle diese Arbeiten haben wir dem Handwerk entlehnt Um sie gruppieren sich so ihre Arbeiten, die mit demselben Werkzeug, mit dem auch Ihr arbeitet, gemacht werden. Sie würden die uns ausgesteckten Grenzen weit überschreiten, uns zu tief in die handwerkliche Berufstätigkeit ziehen und uns so von der Absicht unserer Handfertigkeit abführen. Diese eröffnet uns nichtsdestoweniger den Zugang zum Verständnis des Handwerks. Wenn Ihr Euch vergegenwärtigt, wieviel Energie Ihr bei Euren Arbeiten aufbringen mußtet, so werdet Ihr verstehen, was ein wahrer Meister an Kraft und Seele aufwenden muß, um ein Werk zu schaffen. Eure Arbeiten stehen in keinem vergleichbaren Verhältnis zu den seinen und sind auch nicht danach zu werten. Ihr werdet begreifen, daß ein Lehrling Jahre der Vorbereitung braucht, die ihn in allmählicher Stufenfolge zum Gesellen und Meister führen. Im Verhältnis zum Meister wächst der Lehrling auf ucd entfaltet sich und auf dieses Verhältnis gründet sich das Wesen eines jeden Handwerks. Darin, daß es heut zum Teil nicht mehr gesehen und kaum noch gelobt wird, liegt eine der wesentlichen Ursachen für das Fehlen eines leistungsfähigen Handwerks. Man darf allerdings heut kein Handwerk, wie es zur Zeit der Züdfte bestand, verlangen (für die deutschen Verhältnisse ebensowenig wie für Palästina). Erstrebt muß aber wieder jene handwerkliche Gesinnung werden, die damals lebendig war. Jetzt ist viel von ihr verloren gegangen, und es gibt nur wenige Handwerker im wahren Sinn, was wie auf allen andern Gebieten des kulturellen Lebens durch die bekannte Entwicklung des letzten Jahrhunderts bedingt ist. Beim Handwerker noch besonders durch das Hinzukommen von Maschinen. ^Maschinen werden immer noch falsch verstanden und falsch zu allerlei Tand ausgenutzt. Ihre Arbeit kann, wenn sie schmückend wirken soll, mit Handarbeit nicht in Vergleich gesetzt werden). Man müßte erwarten, da die Maschinen dem Handwerker viel mechanische Arbeit abnehmen, so könne er nun erst recht alle seine Kraft auf die eigentlich schöpferische Handarbeit, die noch in reichlichem Maße vorhanden ist, verwenden. Diese Möglichkeit ist fbtn aber verwehrt Es ist ihm vorgeschrieben — und zwar anders als vor der Industrialisierung — in der und der Form zu arbeiten; seine Phantasie kann sich nicht frei auswirken. Seine Arbeit ist geteilt, kein ganzes Werk mehr, und ein gut Teil Lust ist ihm genommen. Wohin diese ungesunde Lage geführt hat, zeigt das Fehlen von handwerklichen Kunstwerken und des bewußten handwerklichen Arbeitens überhaupt. Ihr seid dem Handwerker vor« seid alles in Einem, indem Euch Eure Phantasie gehört und Ihr nicht wie fener unter dem Zwange der wirtschaftlichen Lage schafft. 171

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