Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 8-10 (5.1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- Seite 168 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Wss ist dazu nötig? Ein Handwerker (es wird wöhi in jedem Bunde gelernte Handwerker oder noch besser Lehrlinge geben) soll Euch das technisch Allernotwendigste zeigen. Er muss wissen, worum es sich handelt, wen er vor sicii h2t, kurz, er daif nicht Meister spielen. Diese (unten weiter ausgeführten) Vorarbeiten sind zugleich Hauptarbeiten; auf sie müss man die meiste Zeit und grösste Sorgfalt legen, sie müssen beherrscht und gekonnt werden. Aus?» schliesslich im Herstellen von praktischen Dingen, die Ihr nur mit Hilfe Eurer Phantasie ausführen könnt, können sie geleistet werden und durch Übung in Fleisch und Blut dringen. ' v~ So werdet Ihr durch praktisches Denken und Mitschaffen am Kleinen auch Lust zum Schaffen überhaupt bekommen und werdet erfahren, was es heisst, Freude am Entstehen und am Aufbau des Werks zu haben. Damit ist der Sinn unserer Arbeit nicht erschöpft: Ihr sollt in Anschauungen, nicht nur in Begriffen denken lernen, mit Euren Händen geschickt arbeitend werden. Kraft, Geduld und Ausdauer sind hierfür Vorbedingungen und zu gleicher Zeit hiervon Ergebnisse. Durch stetes und anschauliches Vorstellen von Raumkörpern werdet Ihr Raumgefühl und Verständnis für Durchdringungen gewinnen, und die Übung darin wird Euch viel erleichtern. Ihr könnt geometrische Zeichnungen, z. B. Durchdringungen und Projektionen, in wirkliche Körper übersetzen; allerdings nur sehr genau und wiederum als Vorarbeiten für später auszuführende Modelle. Umgekehrt müsst Inr jeden Gegenstand erst klar zu Papier gebracht haben, um nach dem gezeichneten Entwurf genau zu arbeiten. Wenn Ihr alles Beabsichtigte, auch wirklich ausführt» habt Ihr das beste Mittel zur Kontrolle, d. h. zur Prüfung des Gekonnten durch das Gewollte hergestellt. Nie wild darauf losarbeiten und warten, was dabei herauskommt! Dabei vergeudet Ihr nur Kraft und schafft doch nichts Ordentliches. Bei gemeinsamer Tätigkeit in der Werkstatt wird sich ein inniges Zu* sammen- und Ineinanderarbeiten zwischen Euch und dem Handwerker von selbst ergeben. Alle Eure Gedanken müsst Ihr auf das entstehende Werfe richten und Eure ganze Liebe dem Werkzeug und Werkstoff zuwenden. Auf diese Weise werdet Ihr Freude gewinnen und mit Lust schaffen lernen» und nur so kann Eure Arbeit von Erfolg und Dauer sein. Indem Ihr allmihltch Fertigkeit der Hand gewinnt, löst Ihr Euch unmerklich von Eurem Lehrer da Ihr mit der Zeit beginnt, selbständig zu arbeiten. In dieser Entwicklung liegt der Weg zu den von uns gesetzten Zielen. Schon mit einem eisten Einblick in handwerkliches Denken! Da man von ihm nur dunkle Vorstellungen hat, soll versucht werden, sie weiter unten etwas zu klaren. Dem Handwerker, der Euch die Arbeiten zeigen soll und will» mögen die folgenden Hinweise als Richtlinien für die hauptsächlich und am beste» geeigneten Handfertigkeiten dienen. Holzarbeiten. Nur ein Handwerker kann Euch das Technische zeigen; Bücher* dift es zeigen wollen, kämpfen mit großen Schwierigkeiten und können ihn nicht ersetzen oder doch nur ergänzen, indem sie ihn voraussetzen. Beschallt Euch die Benutzung von Hobelbänken und gutem Tischlerwerkzeug (in einer Kleinstadt leicht möglich, in der Großstadt Beziehungen anknüpfen!}. Tische