Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 8-10 (5.1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- Seite 166 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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der Jugend. Für Deutschland herausgegeben von der Hamburger Lenrervereinigung. Leipzig 1903. R. Voigtlaender) empfiehlt und die durch beidarmiges Zeichnen, durch Lösen ornamentaler Grundaufgaben vom Kreis über den Schlei* fenstern zum entwickelten Schmuckwerk, schließlich durch Modellieren in Ton und Schnitzen in Holz gewonnen wird, jede Möglichkeit — wenn man die Vorchiäge Tadds überhaupt in allem annimmt. Vielleicht zeigt der Aufsatz von Friedrich Königsfeld wenigstens einen bescheidenen Weg, die eigentliche Handfertigkeit bei uns aus ihrer Zufälligkeit zu erlösen, eine Möglichkeit» die um so schwieriger ist, als die Schule uns hier wie beim Zeichnen selbst last ohne Hilfe läßt. Von Anfang an gewöhne man sich an einen bestimmten festen Strich und verzichte auf jede Zuhilfenahme des Gummis. Daß Lineal, Zirkel und andere Hilfsmittel oder Inhalte des mathematischen Zeichnens, etwa die perspektivische Konstruktion, wegzubleiben haben, versteht sich von selbst Einzige Mittel sind Bleistift (Härte 1 und 2 nebeneinander!) und Papier (Transparentpapier und -blocks sind ebenso geeignet, als das teurere gekörnte Papier der Skizzenbücher!). Feder und Kohle erfordern eigene Behandlung und werden in der Regel Einzelnen und Geübteren vorbehalten bleiben. Je früher wir uns daran gewöhnen zu zeichnen, desto besser ist es. Selbst Uebertreibungen der Absicht und Anregung können bei dem allgemeinen Zustand nicht schädlich wirken; dabei wird uns der Sinn unseres Zeichnens "immer davor bewahren, überall nur noch künstlerische „Motive" für den Stift zu suchen. „Motiv* ist eigentlich alles; denn alles ist für das Auge Form. Sie ins Lineare zu übersetzen ist die Aufgabe der Zeichnung. Architektur, Landschaft, Porträt onögen an sich noch so verschieden sein; vor dieser Grundtatsache sind sie gleich. Eine Skala der Gegenstände vom einfachsten zum schwierigsten kann keineswegs aufgestellt werden. Es wird sich vielmehr von selbst ergeben, sich erst an Formen von festumschriebener Eigenart, etwa dem Umriss gewisser Geräte (Tisch, Bank, Ofen) oder Blüten (Alpenveilchen, Narzisse, Lilie) zu üben, ehe man sich an der Landschaft versucht. Wichtiger aber als zu lange Vorüberlegung ist frische Lust, anzufangen und mit dem ersten Versuch dort zu beginnen, wo man sich gerade befindet. Auf Schwierigkeiten soll man nicht aufmerksam machen, sie melden sich bei der Arbeit ganz allein; die Bewegung, das Körperlich-Räumliche und die Modulierung des Lichtes zu gewinnen, erfordert besondere Kraft der Beobachtung. Dennoch ist es jedem von uns möglich, sie aufzubringen und die Aufgabe zu bewältigen, wenn es ihm darum nur ernst ist. Sein Ernst und seine Ausdauer aber hängen ganz vom Führer ab, der zum Zeichnen nicht »begabter" sein muß, als seine Jungen sondern zielbewußter und geduldiger. Das auswendige Phantasiezeichnen rückt, wo es auf fleißiges Studium des Auges und richtige Darstellung der Hand ankommt, in den Hintergrund» um als neue Möglichkeit erst da aufzutauchen, wo die bekannte Form aus dem Gedächtnis wiederholt werden soll. Hier liegt sorgfältige Beobachtung schon zugrunde, und es gibt vielleicht kein empfindlicheres Reagens auf den Grad« „sehen* zu können als die Forderung, eine unzählig oft gesehene Form aus dem Gedächtnis aufzuzeichnen und sie nach der Wirklichkeit zu verbessern. Auf jeder Fahrt, besonders aber auf der großen Sommerfahrt mit der 166