Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 8-10 (5.1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- Seite 161 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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gebiet der Astronomie; wer diese treibt, kommt um jene nicht herum. Man kann, je nach dem Rahmen, den man sich gewählt hat, nach dem Verständnis, <5as man erwarten kann, meteorologische Fragen streifend mit dem Ausblick auf spätere Erledigung behandeln oder aber versuchen, an ihren ganzen Umfing, an aUe ihre Beziehungen, Klimatologie u. s. w., heranzugehen. Als zweite atigrenzende Wissenschaft muß die Physik berücksichtigt werden. Die theoretische Astronomie ist ein Teil der Physik, ein wesentlicher Teil insbesondere unter historischem Gesichtspunkt. Sind doch die wichtigsten physikalischen Gesetze entweder zuerst in der Astronomie ausgesprochen worden oder durch ihre Aue hgüliigkeit in ihr zur A11 g e m e i ngültigkeit belangt. So werden astronomische Fragen immer auf allgemeinere physikalische Fragen fuhren, die mitbehandelt werden müssen. So wird man z. B. im Anschluß an Römers Bestimmung der Lichtgeschwindigkeit nicht unterlassen, von den nicht astronomischen Lösungen derselben Aufgabe zu erzählen. Ueberhaapt wird neben der Mechanik besonders die Optik hervortreten, deren Gesetzen mlle unsere Beobachtungen unterliegen. Mit der Beziehung zur Physik ist schon die zur Mathematik ausgesprochen. Die Messung dient erst durch die Rechnung dem Gesetze. Schon wenn man an beliebigem Beobachtungsort Stellung und Bewegung der Gestirne charakterisieren will, führt man Bezeichnungen wie Horizont, Zenit, Nadir, Kotdpunkt u. s w. ein. Von hier aus führt eine rein mathematische Erweiterung zum Koordinatensystem, welches erst genauere V essung gestattet (und zwar dem Horizontalsystem. Entsprechend sind Aequatorial- und Ekliptikalsystem Grundlagen der Messung, die sich auf die Erdrotation bezw. die Erdbahn beziehen wili)- So sind schon die ersten Schritte ins Reich der Astronomie von mathematischen Erörterungen begleitet. Das darf uns nicht schrecken. Durch die Beziehungsfülie wird sich auch der „trockene*4 Stoff — dem einen die Mathematik, dem andern vielleicht die Meteorologie — beleben lassen. Dann soll grade die Kunst der Behandlung bestehen, daß die lebendige - Beziehungsfülie verbunden sei mit der strengen Veifolgung einer mehr oder weniger deutlich zum Ausdruck gebrachten Linie von Entwicklungen. 7. Am natürlichsten und einfachsten schließt sich jede Belehrung an die Frage an. Es soll an einem Beispiel gezeigt werden, wie sich an einer suchen Frage die ganze Fülle der Beziehungen herausstellen läßt. Fragen, die die Wissenschaft stellt, sind gleichbedeutend" mit ihren Aufgaben, und so wird auch jede vernünftig gestellte Frage eines Lernenden einer Aufgabe, die einmal der Wissenschaft vorgelegen hat, entsprechen. Es sei gefragt nach der Entfernung der Sonne von der Erde. Das ist dieselbe Frage wie diese: W ie hat man die Aufgabe der Entfernungsbestimmung Sonne- Erde gelöst? Es ist absichtlich hier ein verhältnismäßig schwieriges Beispiel gewählt, damit auch einmal die Möglichkeiten, verwickeitere Zusammenhänge zu erörtern, angedeutet werden*) Das Niveau, von dem aus an die Frage herangegangen wird, sei die Kenntnis der Gesetze von Rotation und Revolution der *) Hier ist natürlich nur ein Weg der Behandlung einer solchen Frage «»gedeutet. Ueber Einzelheiten des wissenschaftlichen Sachverhalts muss der Lnonentierte nachlesen oder nachfragen. 161