Mannheim
Compact Memory

Blau-Weiss-Blätter · 1921-05-01 · 8-10 (5.1921) · p. Seite 162

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1920-1921)
Issue
8-10 (5.1921)
Date
1921-05-01
Page
Seite 162 (sequence 32)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2708691-2708699-2708704--286-2709022
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Erde und Gestalt der Erdbahn. — Wenn man von Bewegung der Erde um die Sonne spricht, muß man sich klar sein, daß unmittelbar wahrnehmbar nur eine R e 1 a 11 vbewegung der Körper gegeneinander werden kann. Man spricht von einer Bewegung im wesentlichen der Erde um die Sonne deshalb, weil die Sonne als groß, verglichen mit der Erde, angesehen wird. Die Größe der Sonne können wir aber nur ermitteln, wenn wir ihre Entfernung von der Erde kennen. An diesem Punkte muß der Zusammenhang zwischen wahrer Größe, Entfernung und scheinbare rGröße «rörtert werden* Unter wahrer Größe (kurz mit „Größe" bezeichnet) ist hier olfenbar verstanden: räumlich© Volumen oder Fläche oder Länge, sie drückt sich aus in mt qm, cbm. Enk fernung ist selbstverständlich auch eine „Größe*: die Länge des Zwischenraums. „Größen* werden ihrer Definition nach durch Anlegen von Maßstäben gemessen. Die meisten „Größen'maße jedoch (und besonders die astronomischen) werden nicht so, sondern auf optischem Wege gewonnen. Das Auge hat Möglichkeit, der „Größen"messung zu dienen, aus folgenden Gründen: Das Licht (was ist das?) gelangt vom Gegenstande auf bestimmtem Wege zum Auge, nämlich wesentlich gradlinig. Ein gesehener Gegenstand liegt also In einer bestimmten Richtung. Zwischen zwei Gegenständen besteht für den optischen Eindruck ein Richtungsunterschied, d, h. ein Winkel. Diesen Gesichtswinkel nennt man auch scheinbare Größe (dessen, was zwischen den beiden Gegenständen liegt). Es ist Unsinn, zu fragen: „Wie groß sieht der Mond aus? Wie ein Teiler, ein Zehnpfennig oder ein Rad?" Denn die scheinbare Größe kann erst durch Einführung der Entfernung (oder einer anderen Länge) der Ermittelung der wahren Länge dienen: Ein Winkel bestimmt nie eine Strecke, immer nur das Verhältnis von zwei Strecken, und auch das nur unter der Voraussetzung besonderer Lagebeziehungen in dem durch den Winkel und die beiden Strecken bestimmbaren Dreieck, z. B. Annahme . eines rechten Winkels (trigonometrische Punktionen). Praktisch ergeben sich meist solche besonderen Voraussetzungen als bekannt: Ich weiß, daß eine Hausfront vertikal steht, daß der Weg zu ihr horizontal läuft Eine der beiden Strecken (im Beispiel: Haushöhe, Weglängesfiausentfernung) ist also bestimmt durch die andere und den Winkel So kann ich z. B. die Entfernung des Hauses leicht schätzen, weil mir die Höhe der Stockwerke vertraut ist und der sinnliche Eindruck des Gesichtswinkels da ist. . Nun ist in Wirklichkeit nicht nur in solchen günstigen Fällen, sondern bei den meisten Gegenständen eine Größen- und Entfernungsschätzung durch Uebung zu erzielen. Wie ist das möglich? Wir sehen mit zwei Augen, die einen für unsere Maße schon erheblichen Abstand von einander haben. Diese beiden Augenpunkte sehen jeden Punkt unter verschiedenen Gesichtswinkeln. Es sind für die Beobachtung jedes Punktes drei Stücke gegeben, die Basis (Augenabstand) und Basiswinkel (Sehrichtungen) des Dreiecks, an dessen Spitze er liegt. Das Dreieck ist also bestimmt, die Lage des Punktes im Räume festgelegt. Daher unser plastisches Sehen. (Stereoskop: künstlfche Hervorrufung der verschiedenen Sehrichtungen). Ganz allgemein wird am einfachsten die Entfernung eines Punktes durch Beobachtung von zwei Punkten aus, deren Abstand bekannt ist, ermittelt 162

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.