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Blau-Weiss-Blätter · 1921-05-01 · 8-10 (5.1921) · p. Seite 160

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1920-1921)
Issue
8-10 (5.1921)
Date
1921-05-01
Page
Seite 160 (sequence 30)
Language
German
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erste untergeordnete Seite beziehen wollten?***) Die Ableitbärkeit aus Beobachtungen ist dem Forscher noch nicht ausreichendes Kriterium für die Richtigkeit der Theorie. Jedes Gesetz bedarf der immer erneuten Bestätigung und Prüfung durch die Erfahrung. Diese Prüfung geschieht im Experim ent: es werden die Bedingungen, unter denen das Gesetz wirken soll, hergestellt und es wird nachgeprüft, ob der Ausgang den Erwartungen entspricht. Durch verschiedene Anordnung des Experiments können die zufälligen, begleitecden Vorgänge von den integrierenden weitgehend getrennt werden. Die entscheidende Rolle des Experiments als Kriterium der Richtigkeit muß auch bei einer Vermittlung astronomischer Aussagen genügend betont werden. Gibt es nun überhaupt ein astronomisches Experiment? Wie eut chemisches oder physikalisches kann es sicher nicht aussehen, denn man kann mit Sternen nicht operieren wie mit Kohlenstoff und fallenden Kugeln. Aber wenn man die Bedingungen in der Astronomie auch nicht herstellen kann, so kann man doch günstige und genau untersuchte auswählen und, wo sie sich bieten, ergreifen, um an ihnen die Probe aufs Exempel zu machen* Es ist ein Experiment, wenn die Vorausbestimmutg der Sternstellung auf große Zeiträume sich als richtig erweist und wenn Finsternisse genau zur angegebenen Zeit eintreten. Es ist eine hervorragende experimentelle Bestätigung der Keplerscheo Gesetze der Planetenbewegung, wenn Leverrier aus ihnen auf das Vorhandensein eines für die Störungen der Uranusbahn verantwortlichen achten Planeten schließt, der an bestimmter Stelle sich befinden muß, und wenn Galle daraufhin an eben dieser Stelle den Neptun entdeckt. Es ist eine experimentelle Bestätigung der Annahme, daß auf der Sonne nur dieselben Stoffe wie auf der Erde vorkommen - und damit ein Argument zugunsten der Leplaceschea Theorie —, wenn das Heiium, der erste auf der Erde bis dahin unbekannte Stoff, der im Sonnenspektrum entdeckt worden ist, später auch auf der Erde gefunden wird Eine Betonung dieser Seite des Stoffes, die das Bedürfnis nach wissenschaftlicher Strenge am meisten befriedigt, die das angenehme Bewußtsein gibt, daß es „stimmt", wird, an geeigneter Stelle gebracht, immer an* regend und klärend sein. 6. Die Disziplinen der Naturwissenschaft bestimmen sich bekanntlich naca den methodisch geordneten Gegenständen ihrer Forschung. Welches sind d« Gegenstände der Astronomie? Einer voraussetzungslosen Beobachtung würden sie durch „das, was über der Erde ist*, umschrieben sein: beinahe, aber nicht ganz richtig. Denn die Erscheinungen unserer nächsten Umgebung über der Erde, die Erscheinungen der Atmosphäre, gehören nicht der Astronomie, sondern der Meteorologie zu. Dadurch, daß beide Erscheinungsgruppen in d=fselben Gegend wahrnehmbar sind, treten sie für unsere Betrachtung in Konnex. Aue astronomischen Beobachtungen erfolgen durch den Schleier der Atmosphäre» ^sind also meteorologisch bedingt. Das Flimmern der Sterne, die Röte des Sonnenuntergangs, die Helligkeit des Himmels und die Unsichtbarkeit der Sterne am Tage müssen ausdrücklich erst als meteorologische Erscheinungen gegen über den astronomischen herausgestellt werden. Meteorologie ist ein Grenz- *) Goethe, Naturw. Sehr. 1823. Einfluss des Ursprungs wissenschaftlicher Entdeckungen. 160

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