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Blau-Weiss-Blätter · 1921-05-01 · 8-10 (5.1921) · p. Seite 159

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1920-1921)
Issue
8-10 (5.1921)
Date
1921-05-01
Page
Seite 159 (sequence 29)
Language
German
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schauen in romantischer Duselei stecken bleibt und recht wörtlich den Horizont nicht erweitert, wird andrerseits durch das Auftischen der fertigen Theorien die Möglichkeit selbständigen Nachdenkens über Fraglichkeiten gehemmt statt gefördert und einer gedankenlosen Vielwisserei Vorschub geleistet. Es soll auf dem im Anfange besehrittenenWege der Beobachtung fortgefahren werden und immer wieder am Komplex der schon erreichten Erfahrungen versucht werden, sie zu begreifen durch die Theorie. Also: man sieht sich an, daß die Planeten wirklich eine Eigenbewegung gegenüber dem Fixsternhimmel haben, dann stellt man ihren Unterschied von jenen klar. Solcher Forderung scheinen sich unüberwindliche Schwierigkeiten entgegenzustellen. Sind wir und unsere Jungen Astronomen, daß wir die Methoden astronomischer Rechnung und Ableitung beherrschen? Recht versfanden wird die Forderung von diesen Einwänden nicht getroffen. Natürlich können wir nur wenige astronomische Erscheinungen selbst beobachten. Aber wir sollen immer erst über die grundlegenden Beobachtungen Bescheid wissen, ehe wir der Theorie nahe treten; wir sollen hinweisen auf Beobachtungen, die wir machen können oder gemacht haben, wir können unbedenklich Bezug nehmen auf irgend einmal gemachte Beobachtungen unter besonderen Umständen und mit besonderen Mitteln, sofern sie historisch beglaubigt sind. Nicht dies ist der Fehler, daß die Lernenden etwas glauben, sondern daß sie glauben, ohne prüfen zu wollen. Eine Beobachtung, von der man schon weiß, prüft man, indem man sie gegebenenfalls wiederholt. Eine Theorie prüft man, indem man sie begreift, d. h. ableitet, d. h. findet, ausgehend von den zugrundeliegenden Beobachtungen. Die Beobachtungen dürfen also erzählt werden, Theorien aber müssen durch alle Begründungen und Fraglichkeiten hindurch verständlich gemacht werden Wie sollen wir aber die Theorie ableiten, wenn uns alle methodischen Mittel dazu fehlen, wenn die Jungen z. B. noch nichts von Trigonometrie wissen? Man muß sich wieder vor Augen halten, daß es zunächst nicht so sehr darauf ankommt, daß eine Materie, etwa die Planetenbewegung, restlos begriffen wird, sondern darauf, daß gelernt wird einem Stoffe mit dem rechten Eifer, aber auch mit der nötigen Kritik gegenüber zu treten. Es läßt sich vieles, Theorie der Tages- und Jahreszeiten, der Mondphasen etc., sehr wohl trotz geringer mathematischer Vorkenntnisse klar machen. Wo aber eine Ableitung das Verständnis übe!steigt, ist es nur nötig, das Bewuß ts ein zu wecken, daß hier etwas unvollständig ist und einer späteren Ergänzung bedarf. Denn, wo wir uns immer über die Grenzen des Gewußten klar sind, sind wir wissenschaftlich. 5. »Wir erwehren uns kaum zu denken: was uns zu einer Erscheinung geleite, sei auch der Beginn, die Ursache derselben; dabei beharren wir, anstatt von der umgekehrten Seite heranzugehen und die Probe auf unsere erste Ansicht zu machen, um das Ganze 2U gewinnen. Was würden wir von dem Architekten sagen, der durch eine Seitentüre in den Palast gekommen wäre und nun, bei Beschreibung und Darstellung eines solchen Gebäudes, alles auf diese 159

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