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Blau-Weiss-Blätter · 1921-05-01 · 8-10 (5.1921) · p. Seite 157

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1920-1921)
Issue
8-10 (5.1921)
Date
1921-05-01
Page
Seite 157 (sequence 27)
Language
German
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Sie bieten andrerseits auch dem optischen Unterscheidungsvermögen wenig Handhaben: bis auf Sonne und Mond (nebenbei auch Kometen, Zodiakallicht) fehlt dem Einzelgegenstande für das unbewaffnete Auge die FJächenwirkung, die erst weitergehende Differenzierung gestattet. Der Sternhimmel erscheint als Anordnung leuchtender Punkte, deren Lichtwirkung sich auf Lichtstärke und eine minimale Farbigkeit beschränkt und die wesentlich durch die Eigenschaft des mathematischen Punktes, die Ortsfanktion, charakterisier sind. Um das Bild des Sternhimmels einzuprägen, wird es sich als ebenso notwendig wie leicht erweisen, seine zufällige Anordnung zu schematisieren, d. h. die Steigerte durch eine Fülle einfachster mathematischer Beziehungen, wie Figuren, Verbindungslinien, Punktzüge zu verknüpfen. Man beschränke sich nicht darauf, einzelne Sternbilder zu zeigen und ihre eigenartige Gestalt einzuprägen. (Diese Bekanntschaft ist d a natürlich besonders leicht zu vermitteln, wo der Name der Vorstellung so entgegenkommt wie beim Jäger Orion mit Güitel Schwert, Schultern, Knien*), bei Leier, Schwan, Krone, Löwe, besonders bei den beiden Wagen; schwerer, wenn die Bezeichnung dem Bilde wenig entspricht wie z. B. beim großen Bären, der seinen Titel nur durch den Schwanz und zwei Tatzen legitimiert.) Vielmehr wird man die Jungen von vornherein gewöhnen, das Gerippe des ganzen sichtbaren Himmels zu übersehen und sich so die nWeltteile und Länder der Himmelsgeographie" vertraut zu machen. Wir gehen z. B. Yom Großen Bären aus, gehen in bekannter Weise zum Polarstern, dem Schwanzstern des Kleinen Bären, und finden durch Verdoppelung dieser Linie über den Pol hinaus Kassiopeja. Damit sind wir im Zuge der Milchstraße. Rechts (vom Polarstem gesehen) krümmt sich in ihr die Kurve des Perseus um den merkwürdigen Algol (der sehr viel später mit andern Veränderlichen einmal besprochen, vielleicht beobachtet werden kann) bis zu den Plejaden (Sternhaufen!) im Stier. Sudlich anschließend folgt Orion, in der Verlängerung des Jakobstabes, Sirius u. s. w. Die Zwillinge un d der mit ihnen leicht verwechselte Prokyon (= vor Hund, weil er vor dem großen Hund aufgeht), weiterhin der Löwe vervollständigen das Gerippe dieser Himmelsgegend. Im linken Ast der Milchstraße orientieren wir uns an dem auffälligen Dreieck Daneb - Wega - Atair u. s. w. u s. w. So soll als erstes ein Bild der Sternverteilung am Himmel vermittelt werden. 3. Während so ganz selbstverständlich die erste Bekanntschaft mit dem Sternhimmel, wie mit jedem Dinge, durch Einprägung des Unveränderlichen an seinem sinnlichen Eindrucke gemacht wird, scheint der Weg weiterer astronomischer Beschäftigung keineswegs so klar vorgezeichnet Die gelegentliche Beobachtung findet bald kaum mehr Neues am ruhenden Himmel. Die Veränderungen am Firmamente dagegen verlaufen in zeitlichen Größendimensionen (mit Ausnahme vielleicht der Sternschnuppen, der Mondfinsternisse), die nicht den unmittelbaren sinnlichen Eindruck einer Bewegung hervormfen können, sondsin e;st durch Vergleichung und Verknüpfung sieh zu einer solchen zusammensetzen: eine so einfache Erscheinung -wie die Drehung des Sternhimmels wird erst in Stunden auffällig. So wird schon irüh eine planvolle *) nebenbei: Rigel (arab.) =r Regel (hebr.) Fuss. Sprachlich bieten die Sternnamen viel Interessantes. 157

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