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Blau-Weiss-Blätter · 1921-05-01 · 8-10 (5.1921) · p. Seite 153

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1920-1921)
Issue
8-10 (5.1921)
Date
1921-05-01
Page
Seite 153 (sequence 23)
Language
German
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Das Verstehen der Form der Landschaft ist ein letztes Ziel und wird cor durch eine Unmenge von einzelnen Beobachtungen und Schlußfolgerungen erreicht. Je mehr wir gelernt haben, richtig zu beobachten, desto weniger »ird etwas für unsere Aufgabe untauglich oder gar übei flussig sein, und schließlich spricht alles zu uns. Das erste und notwendigste wird sein, sich vhex die Art der Steine Rechenschaft zu geben, die man findet. Es ist von vornherein wichtig, zu wissen, wo sie gefunden wurden, ob sie dem Unter Stund der Fundstelle selbst entstammen oder erst nachträglich, etwa durch den Gictscher (Findlingsblöcke!), das Wasser oder den Menschen (Chausseebau!) zu ifcr hingeschafft sind. Zur Erzeugung unverwitterter Bruchflächen braucht man einen Hammer, zur Bestimmung eine Tabelle mit Abbildungen und später ein Uhrbuch der Gesteinskunde (das Göschenheft von Brunns ist sehr brauchbar!). Mit dem Wissen um die Zusammensetzung der gefundenen Steine, dem genauen Betrachten ihres Aeußeren (Bruch, Glanz, Kantenscbärfe, Äbrundung u. s. w.) end dem Kennenlernen der wichtigsten gesteinsbildenden Mineralien — vielleicht 12 bis 15 — und Salze wird man sich zufrieden geben; eigentlich mineralogische Un*ersuchungen werden uns fern liegen. Denn es handelt sich für uns nicht ds-mm, dem Wissenschaftsbetrieb im kleinen nachzusiumpem, sondern unsere Augen immer sehender und uns selbst immer reicher zu machen, indem immer sehr von der uns umgebenden Welt von uns begriffen wird und damit in uns eb£eht. Ueberdies dürfen wir bei Voraussetzungen nicht stehen bleiben: die Art eines Gesteins sagt noch nichts über ihr Entstehen sus. Das geordnete Mineralgemenge eines Schichtgesteins, z. B. eines Sandsteins, wird allerdings tu! andere Bildungsursachen schließen lassen als das regellose Material etwa eines Granits. Diese selbst aber sied auf den ersten Blick nicht zu enträtseln. Erst im Rahmen der eigentlich geologischen Fragen ist die Bildungsweise eines Gesteins zu entscheiden. Betrachten wir einen geologischen Aufschluß, mag er von der Natur selbst geschaffen oder vom Menschen künstlich eröffnet sein, so überrascht immer von neuem die feste Form des Aufbaus. Das Gestein hat eine bestimmte Lagerung und bestimmte Richtungen, in denen es sich spaltet. Meistens sind die Lin*en, die man der Länge und Quere nach beobachtet, im Winkel gegen die Horizontale geneigt, und es wird bei der Ahnung des Gesetzes klar sein, wie seine Erkennlnis gerade auf der genauen Bestimmung dieser Winkel, auf der Feststellung der Richtungssysteme sich aufbaut. Der Geologe vergleicht doch die hier gewonnenen Masse mit denen benachbarter Aufschlüsse und fügt Beobachtung auf Beobachtung zum Ganzen des erdgeschichtlichen Bildes. Auch für uns gibt es zum Weiterkommen nur die Möglichkeit, diesen Linien bis ins einzelne nachzugehen, ein Abbrechen, «Verwerfen*. „Falten* sorgfältig zu beobachten urd damit neben der Artbestimmung des Gesteins einen zweiten Ansatzpunkt für die Deutung des geologischen Objektes auf die Vorgänge hin, die in sich verkörpern, zu gewinnen. Einen dritten Punkt stellt die Kenntnis der «-sie ehemaligen Lebens dar, die sich als Abdrücke und Versteinerungen zwar ^chi in jedem Aufschluß, nicht also in jedem Gestein, doch aber an Stellen etaer jeden Landschaft finden. Wir wissen, daß die Formen organischen Lebens ßjeht ewig siiyJ, daß Tiere und Pflanzen aussterben und neue Arten entstehen tmmuth oder kaumförmige Schachtelhalme und das ganze späte Auftreten

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