Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 8-10 (5.1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- Seite 149 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Blätter trägt, z. B. Feigwurz, Hahnenfuß, Schaumkraut, Glockenblume, Günsel usw.; eigentliche R., wenn sämtliche Laubblätter am Grunde in einer Rosette zusammenstehen, z. B. Veilchen, We gebreit, Löwenzahn usw.). Oder sie behält nicht nur die ausdauernden Sproßteile, sondern auch die Knospen im Erdboden [Länder mit sehr trockenen Steppengebieten oder sehr starker Winterkälte; oberirdische Teile bereits unterirdisch vollkommen angelegt, daher überraschend schnelles Aufschießen im Frühjahr, z. B. Anemonen, Spargel usw. Stärkste Ausbildung der Vorratsspeicher, in der Form des Rhizoms, der Knolle (Aronstab, Zeitlose) oder der Zwiebel (Lilie. Zwiebel, Schneeglöckchen, Vogelmiere usw.)]. Endlich lebt sie nur innerhalb einer Vegetationsperiode, stirbt ab, und nur ihr Same liberdauert den* Winter („Sommerpflanzen*; Länder mit Wüstenklima oder mit Ackerbau, hier als Unkräuter nur zwischen Aussaat und Ernte. Beispiele: Hungerblümchen, Kornblume, Hundskamille, Pfennigkraut). Beobachtungen dieser Art werden in das Leben der Pflanzen tief einführen und die Kenntnis des Einzelnen zum Verständnis des großen Ganzen hinleiten. In ihm erfüllt sich der Sinn unserer botanischen Versuche und mit ihnen auch etwas vom Sinn unserer Erziehung. Erich Mendelsohn. Vogelstimmen. Jeder von uns hört auf der Fahrt die verschiedensten Vögel. Das scheinbare Gewirr ihrer Stimmen löst sich, wenn man ein paar Wochen seine Aufmerksamkeit auf sie richtet Wir haben mehrere Anhaltspunkte. Zunächst im Ort des Sängers. Auf baumlosen Wiesen werden wir die große Zahl der Waldsäcger (Amsel, Drossel, Fink und Star, Meisen, Spechte, Nachtigall u. s. w.) von vornherein nicht erwarten. An Flußufern treffen wir bestimmte Vögel, im Bergwald andere. An der Stimme des Kleibers im Wald können wir das*Vorhandensein von Laubbestand sicher erkennen u. s. w. In gewissem Grade gibt uns die Tageszeit Aufschluß. Nur wenige bestimmte Vögel singen in der Dunkelheit, viele schweigen bei bedecktem Himmel, um Mittag; andere freilich hört man den ganzen Tag (Goldammer, Fink). Weit bezeichnender ist die Jahreszeit. Im Winter hören wir Standvögel (Grünling, Meisen, Grünspecht) im iVärz wird der Aufmerksame auf Schritt und Tritt die ersten Z u gvögel suchen. Auf den Tag genau läßt sich dis Ankunft unseres lautesten Vogels, des Finken, angeben. 14 Tage später begrüßt uns am Abend oder ganz früh im Park der erste Drosselruf; die Feldlerche trifft schon vorher ein. Durch den ganzen April und den halb an Mai zieht sich die Ankunft der Zugvögel (zuletzt Nachtigall, gewisse Grasmücken, Spötter, Pirol, <üe Rohrsänger). Noch länger zieht sich das Verstummen der einzelnen Arten bin. Ende Mai hören wir die letzten Rufe des Grünspechts, die Goldammer aber bis in den tiefen Winter. Das Erkennen der Stimmen selber ist durch die Frage nach Ort und Zeit erleichtert, ^ber noch nicht leicht. Jeder Singvogel hat außer dem Gesang 149