Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 8-10 (5.1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- Seite 148 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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bringen, von deren Leben man nichts weiß. Als bestes Bestimmungsbuch empfehle ich das von Wünsche (Anleitung zum Botanisieren. Berlin bei Parey). Erst wenn man von einer Pflanze weiß, daß sie die und die Lebensformeil hat, z. B eine ausgesprochene Sumpfpflanze ist, die und die Metamorphosen zeigt usw., bekommt das Wissen ihres Namens einen Sinn. Die Bücher von Ludwig Klein, die geographisch zusammengehörige Arten an Hand von ausgezeichneten Abbildungen nicht nur beschreiben, sondern yon ihren Lebensumständen erzählen, seien deswegen genannt, weil sie im Gegensatz zum Lehrbuch von Anfang an zu verwenden sind (8 Bände, z.B. Nutzpflanzen, Unkräuter, WiesenpSanzen, Waldbäume usw., bei Winter, Heidelberg) Pflanzen» die man an ihrem Standort beobachtet hat und einigermaßen kennt, lege man in ein Herbarium, nicht um der „wissenschaftlichen" Sammlung halber, sondern um dauernd auch im zweiten und dritten Jahr Vergleichsobjekte zu haben, die beim Finden verwandter Arten von großem Nutzen sind. Herbarien nach dem natürlichen System anzulegen ist schwierig und wird leicht trocken; nach den Gesichtspunkten der Metamorphose oder der Pflanzengeographie oder eine Sammlung etwa von Kultur- oder Giftpflanzen usw. wird dagegen immer interessant bleiben und neue Freude machen. Lehrbücher für jeden Zweig der botanischen Tätigkeit hier anzugeben führte zu weit. Wer Rat sucht, wende sich im Sinn der im Anhang stehenden Bemerkung an mich. — Im Winter kann man langsam, wenn auch mit Vorsicht, zu mikroskopieren anfangen. Die Beobachtung im Freien und auch an selbst gezogenen Pflanzen, das Zeichnen des Gesehenen bleibt für uns immer die Hauptsache. Später kann man damit beginnen, die einzelnen Gruppen des Systems im Botanischen Garten zu studieren, sie nachher auf der Fahrt zu suchen und ein Herbarium nach dem System anzulegen. Denn jetzt wird das Sammeln nach dem System kein langes, schwieriges und als wenig sinnvoll empfundenes Bestimmen geübt, sondern durch die anschauliche Kenntnis von Gruppenzusammenhängen innerhalb des Systems wird es innerlich erklärbar und selbst gefordert 4. Ober die Metamorphose ist ausdrücklich gesprochen worden; aus Raummangel kann auf pflanzengeographische Zusammenhänge, die für uns bei Beherrschung des Primitivsten ganz wichtig und lebendig sein werden, nur im Umriß eingegangen werden und aus gleichem Grund muß ich mich, was die Lebensweise der Pflanzen anbetrifft, mit einer Andeutung begnügen. — Für die Gestalt einer Pflanze ist ihr Verhalten charakteristisch, wie sie ungünstige Jahreszeiten überdauert. Entweder ist sie befähigt, das ganze Jahr hindurch, ihre ausdauernden Sprosse aufrecht Qber die Erde aufragen zu lassen (BJLume und Sträucher, Artenreichtum in den Tropen grüßer; bei uns Laubfall oder nadeiförmige Blätter zur Verkleinerung der wasserabgebenden Oberfläche). Oder sie bildet ihre Erneurungsknospen an Sprossen, die auf dem Erdboden aufliegen oder nur wenig über ihm emporragen (Ehrenpreis, Immergrün; im Winter Schutz durch Fallaub oder Schnee, im Sommer Blüte und Frucht an vergänglichen Sprossen). Oder sie behält die ausdauernden Teile innerhalb des Erdbodens, wob01 nur die Erneuerungsknospen in gleicher Höhe mit ihm stehen (Brennessel, Flachs usw.). Ist der Sproß unmittelbar über dem Boden von einer Blattrosette umschlossen, so spricht man von Rosettenpflanzen (Schneeschutz; unvollkommene R., wenn auch der senkrechte Sproß 148