Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 8-10 (5.1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- Seite 147 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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{Art, Gattung, Familie) sind nicht an jedem Ort des Systems gleich scharf umrissen; denn wie wir oben gesehen haben, kann doch nicht die fertige Gestalt der Pflanze, sondern lediglich die Frage nach ihren Anlagen zur Grundlage des Systems gemacht werden. Nur homologe Organe, also solche von gleichem morphologischem Wert (raetamorphosierte Blattranke und Blatt) sind für das System bedeutungsvoll, nicht analoge, das sind Organe von gleichem Aussehen (Ranken, die hier metamorphosierte Seitensprossen, dort meta morphosierte Blätter sind). Die Systematik gründet sich also auf den Forlschritt der O'ganographie, der Wissenschaft von den Organen und ferner auf die vertiefte Erkenntnis der Entwicklungsgeschichte. Auch Merkmale des anatomischen Baus« durch die z. B. die beiden großen Klassen der Blutenpflanzen als Mono- und Dikofyledonen gegen einander abgegrenzt werden, spielen für die Systematik eine Rolle. Doch besieht hier besonders die Gefahr, Analogien für Homologien zu nehmen. Der Schwierigkeiten für eine Systematik gibt es recht viele. Der Konstanz der Arten auf der einen Seite, die sich in dem Gleichsein von zwei Individuen hinsichtlich der wesentlichsten Merkmale und in deren Vererbung auf die Kachkommen äußert, steht die Veränderlichkeit der Arten entgegen. Organisationsmerkmale, die für eine Art charakteristisch sind, müssen von Anpassungsmerkmalen unterschieden werden, die leichter veränderlich und eher durch -den gleichen Standort als durch verwandtschaftliche Beziehungen bedingt sind. Das natürliche System bringt die Stufenfolge in der Organisation der Pflanzenwelt zum Ausdruck und weist jeder Pflanze den Ort an, an dem es eng zu verwandtem rückt und damit als Glied eines einheitlichen Ganzen erkannt wird. 3. Das erste Ziel unserer Beschäftigung mit Botanik wird sein, die Pflanzen der Heimat kennen zu lernen, und zwar in der selbstverständlichen Reihenfolge, wie sie vom Februar an bis in den Spätsommer aufblühen. Natürlich ist das Wissen um Name und Klasse, um die Stellung im System usw. nicht Selbstzweck für uns, sondern nur das Mittel zur Ordnung der verwirrenden Fülle. Zwischen einfachem klaren Anschauen der Natur und zwischen wirklich wissenschaftlicher Botanik kann es keinen Gegensatz geben. Indem gesehen, beobachtet und verglichen wird, werden sehr schnei Fragen erwachsen, die nur durch das Studium der Metamorphose der Pflanzen beantwortet werden können. Im Zusammenhang mit der Beobachtung im Freien, am besten in einem botanischen Garten oder Schulgarten, soll man die Metamorphose, wie sie in dem ausgezeichneten Werk von Hansen (Goethes M. d. Pflanzen, Gießen, Töpelmann) dargestellt und an Bildern demonstriert wird, studieren. Die häufigst vorkommenden Veränderungen der Grundorgane sbllen beobachtet und erkannt werden, aber ohne viele und besonders eigene Theories, weil tiefere Zusammenhänge, das Wieso und das Warum, erst später erkannt werden können. Auf der Fahrt merke man darauf, welche Pflanzen und Pflanzengruppen auf gleichen geographischen Standorten (Wald. Wiese, Sumpf, Wasser, Acker) anzutreffen sind. Mit der Feststellung lerne man sich aber im Anfang begnügen und versperre sich den Weg zu eigentlichem Verständnis nicht durch vorherige, vielleicht geistvolle aber nur theoretische Dogmen. Es hat keinen Sinn, viel Zeit und unnütze Mühe mit dem Bestimmen einer Pflanze zu ver- 147