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Blau-Weiss-Blätter · 1921-05-01 · 8-10 (5.1921) · p. Seite 139

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1920-1921)
Issue
8-10 (5.1921)
Date
1921-05-01
Page
Seite 139 (sequence 9)
Language
German
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Diese bestimmte geologische Gestaltung nun bereitet den Boden, und dauit die Wasser- und Bakterienverbältnisse für eine ganz bestimmte Art der Pflanzen- und Tierbesiedlung. Sie weist dem Wald seine Grenzen, schiebt etwa am Rande der Berge ein felsiges Gebiet mit dünner Humusdecke ein, die ihm kein Aufkommen erlaubt, sondernnur Buschwerk und Gewächsen, die durch besondere Einrichtung vor zu schneller Verdunstung geschützt sind, das Wachstum möglich macht. In diese Gestaltung der Natur von unten greift nun von der andern Seite her auf allen Punkten das Klima ein. Und hier eröffnet sich der Naturanschauung also das weite Gebiet, das im engen Rahmen durch die Gesetze der Wetterbildung, der Wolkengestaltung, der Sonnen Wirkung, der Niederschläge bezeichnet ist. Darüber hinaus aber lenkt uns dieses Gebiet zwischen Erde ued Himmel, der Bereich und die Schichtung der atmosphärischen Erdhütte zu den Beziehungen zwischen Erde und Himmel, zwischen Sonnenand Stercensystemen. Und wie hier Eines das Andre verlangt und sich mittelbar oder unmittelbar auf Alles bezieht, wird seinem vollen Gehalt nach vers änälich und also der Erfüllung näher gebracht was oben gefordert wurde: sich zu bemühen, die Ganzheit der Natur, den Kosmos so zu verstehen, daß wir die Einzelheiten sehen lernen, um die Beziehungen, die sie zu einem geordneten, einheitlichen Ganzen knüpfen, zu erkennen. Wie dieses nun seinerseits von dem Einzelnen einen immer aufs Neue vertieften Begriff gibt, der wiederum auf den Begriff von der Ganzheit, vom All zurückwirkt und ihn erweitert, dieser unendliche Wechselbezug und Prozeß wird nun also als der Prozeß, in dem die Natur dem Wissenden und Sehenden sich gibt, erkenntlich. VII. JSo ist also der Weg zum Verständnis der Natur dem, der sich auf die Erfassung des Kunstwerks lichtet, in bedeutsamer Hinsicht entgegengesetzt: Bei diesem nämlich drängt die reifere Anschauung durch den Stoff der Darstellang hindurch zu dem Wie der Darstellung, der malerischen Form. Die Anschauung der Natur dagegen verlangt von dem bkßen Genießen des malerischen Zusammenhanges, von der Landschaft fort zu der steten Verliefung der stofflichen Zusammenhänge und ihrer Gesetze, mit andern Worten zu dem Verlaufe der wissenschaftlichen Forschung. Und so heißt Natur sehen lernen nicht passivisch ergriffen jfein, sondern aktiv ergreifen, kraft wlssetschaf.licher Maßstäbe beurteilend anschauen. Denn wenn es gilt, etwa die Zusammenhänge zwischen Boden, Pflanzenwelt und Klima oder die Sternenbewegung zu erklären, so genügt es billigerweise nicht, die Lücken des Wissens mit einigen wohlklingenden Fabeln auszufüllen, sondern das Ziel der Fragen ist die W a b r h e i t von diesen Beziehungen. Der Weg, die methodos, die Methode zur Wahrheit hin, nichts anderes aber heißt Wissenschaft. Wo in aller Welt also sich eine richtig gestellte Frage auftut, da hat sie überhaupt nur dann einen Sinn, wenn zwar nicht in der Gegenwart, wo der Gegenstand der Frage noch ganz rätselhaft sein mag, aber doch grundsätzlich eine richtige Antwort, d. h. eine Antwort, die den Sinn hat, aul Wahrheit auszugehen, möglich ist. Und wo immer eine solche Antwort möglich ist, da ist der Bereich einer Wissenschaft. Nur der aber wird berufen sein, die Frage zu beantworten, der sich mit den Wissenschaftsgrundlagen und den fortschreitenden Resultaten, dem Wissenschaftsverlaufe also in sorgsamer Arbeit 139

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