Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 8-10 (5.1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- Seite 138 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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gleitet und das von der Athmospbäre zerstreute Vorderlicht ihm zukommt, oder er bildet Blätter, die die Möglichkeit haben, das gefährliche Ucht der heißen Sonne zurückzuwerfen, dann erscheinen sie uns glänzend. Da gibt es Arten, die gedeihen nur in fettem Boden und ^fköma#ern im Sande und wiederum solche, die am f ruchtreichsf eri fra lockeren, wasserdurchlässigen Boden siedeln. Andre wieder, die ein kümmerliches Aussehen in den trockenen Alleen der Großstädte annehmen, gewinnen Stolz und Adel im feuchten Klima der Seen und der wasserreichen Gebirge. So erst werden die zerrissenen Baumbilder, die der Schneedruck des Winters, die Kraft der Stürme und die Kürze des herben Sommers in den Hochgebirgen wirkt, so erst das Krummholz in den harten Wettern, den nahrungsarmen Erden der Berggipfel verständlich und ihren besondem Gesichten nach unterscheidbar. So sieht man freistehende Kiefern, die an knorrigen Aesten ihre wenig geschlossene Krone nach allen Seiten hin wenden und gleichsam lässig die Nadeln breiten, denn die Sonne leuchtet ihnen reichlich; während die Kiefern des Waldes, sich gegenseitig beschattend, auf geringem Raum den Astbau beschränken müssen. Auch Laubbäume lassen diesen Unterschied deutlich sichtbar werden; denn Eichen oder .Buchen, die im dichten Walde die Architektur ihrer gedunkelten Blätter sorgsam mosaikartig bilden, um jedem einzelnen Blatte Lichtgenuß zu gewähren, werden hell und breit mit geschlossener Krone, wo es Lichtraum« nutzung und Boden gestatten. Auf diese Weise wird man alimählich verstehen und sehen lernen, wie sich die Gestalt etwa der Schwarzwaldtannen, dunkel und mit sehr stark schwingenden Aesten, von den Tannen des Riesengebirges unterscheidet. Wie sich Eiche oder Ahorn in den Auenwäldern etwa der Oder bei Breslau mit leicht morastigem Boden anders als in den durch intensivere Forstwirtschaft kultivierten Wäldern formt. * VI. Es sind also die Pflanzen, die auf einem Boden wachsen, ganz und garnicht so zufällig nebeneinander gestreut, wie es dem bloß das Bild der Landschaft Genießenden, der die Mannigfaltigkeit der Formen und ihre Beziehungen zueinander garnicht versteht, erscheinen muß. Und es wird langsam verständlich werden, wie die geschlossene Farbigkeit der Wiese, die keinen grellen, aus der Regel fallenden Ton kennt, wie die Formeneinheit der Landschaft eben von diesen Gesetzen des Beieinander, nämlich der gleichen Sonne» der gleichen Erde u. s f. ihren Ausgangspunkt nimmt. Das Natürliche sehen und unterscheiden heißt alle diese ursächlichen Zusammenhänge verstehen lernen, die, was zunächst die Erde betrifft, in großen Umrissen bezeichnet sind durch die Beziehungen zwischen Bodengestaltung, ^Arten der Pflanzen und Tiere und Klima. Da ist der Stein, eine wenig gestaltete, unbödeutsame Masse zunächst« für die höchstens wegen einer auffallenden Aenderung etwas Beachtung abfällt. Aber nun bringen wir ihn zu seiner Ordnung, nun setzen wir ihn mit der Umgebung in Beziehung. Und da wir seine Lagerung irinerhalb der Schichten, seine geologische Struktur prüfen, und zu beachten haben, wie hier der Wind oder Eisenmassen die Flächen glätteten, wie dort sickerndes Wasser das Harte löste und bröcklig machte, sehen wir mit eins unmittelbar, durch welche Gewalt sich hier Berge und Hügel, Täler und Mulden formten, wo Gletscher sich lagerten, Stürme tobten oder ein Meer die Flächen bedeckte* 138