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Blau-Weiss-Blätter · 1921-03-01 · 6-7 (3.1921) · p. Seite 121

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1920-1921)
Issue
6-7 (3.1921)
Date
1921-03-01
Page
Seite 121 (sequence 27)
Language
German
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gebt das wilde Wälzen in einen aus. drucksvollen, ekstatischen, den ganzen Körper mitreißenden Tanz über. Ein Tanz auf den Knieen, auf einer Fläche wie ein Tisch, von unerschöpflichem Reichtum an Bewegungen und Kraft des Ausdrucks. Die Musik schweigt , . . . langsam sich wiegend, kommt der Körper allmählich zur Rübe---. Und wieder bf ginnen die Trommeln ibre dumpfe, monotone Musik, wilder brauten sie — ein kurzer, sich immer wiederholender Gesang begleitet sie. Wieder beginnt der wilde Tanz, ein zweiter, dritter, fast ohne sich vom Fleck zu röhren und — - da springt einer in den Kreis, ein Kaktusblatt mit den zollangen, metallharten Stacheln hoch in den Händen schwingend, ein Schrei — wie ein Tier beißt er hinein, schlingt, beißt wieder hinein; in wildem Tanz springt er zwischen die auf den Knien liegenden, in wilder Verzückung sich schwingenden Derwische. Da bringt ein Anderer flache, weißglühende Eisen, gibt ihnen Schläge auf Zunge und Lippen, Hände und Wangen, daß der widerliche Geruch verbrannten Fleisches aufsteigt. Ein Zweiter sticht strohhalmdicke Eisenoadeln sich und andern — Derwischen und Nichiderwischen — durch die Wangen, wilde abgerissene Schreie ausstoßend; zieht die Nadel heraus drückt den Finger auf die Wunde, spuckt herauf — keine Spur von einer Wunde zu sehen. Einer löst sich aus dem wild ratenden Kreise, immer näher ans Feuer, die Augen geschlossen. Ein Zweiter, Dritter springt auf, wild taumeln sie im Tanze ums Feuer, schreiend, betend, beschwörende Bewegungen mit den Annen darüber schwingend. Einer ergreift eine glühende Kohle, steckt sie zwischen die Zähne und »spuckt Feuer*. Weiter tanzen sie, immer näher, pratschl springt einer mitten in die Kohlenglut, macht einige Schritte darin und taumelt weiter, ein anderer, noch einer springen hinein, fühllos im Taumel;, und fallen wieder in den tobenden Kreis. Hochauf leuchtet das Feuer, wirft seine Lichter auf dieses rasende, brüllende Menschen-Chaos. Man sieht keine Gestalten mehr; hier reckt sich ein Arm ins Licht, da ein Kopf, die Augen geschlossen, der Mur d verzerrt, Geifer fließt heraus, die langen Haare fliegen wild'vornüber, zurück, vornüber, zurück. Es ist, als ob all die Grauen der Nacht, die man unter den tausend Geräuschen nur ahnt, durch irgend eine wilde Kraft hervorgezwungen sind und nun in wahnsinnigem Wüten sich dagegen wehren. Und immer wüder, immer grausiger wird das Toben. Hier fällt einer mittendrin erschöpft zu Boden, die andern rasen, brüllen über ihn hinweg. Da hebt der Scheich die Hand mit der rotbestrahlten Schelle. Die Trommeln schweigen, die Derwische werden ruhiger, erschlaffen. Langsam geht der Scheich von' einem zum andern, legt ihm <Jie Hand auf, spricht etwas; und erschöpft und schweißtriefend wirft sich der Derwisch zu Boden. Langsam brennt das Feuer herab. — Ich gehe wjeder in meinen Kerem. 2. Oktober. Hier sieht es nicht allzu rosig aus. Diese Krise in London und das damit verbundene „Ausbleiben des Budgets* hat in erschreckender Weise gezeigt, wie abhängig der ganze Jischuw vom Ausland ist und wie tief der Chalukahgeist in sämtlichen Kreisen steckt. Kolonisten und Kwuzoth nicht ausgenommen. Keiner denkt daran, sich erst ganz selbständig zu machen oder 121

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