Mannheim
Compact Memory

Blau-Weiss-Blätter · 1921-03-01 · 6-7 (3.1921) · p. Seite 120

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1920-1921)
Issue
6-7 (3.1921)
Date
1921-03-01
Page
Seite 120 (sequence 26)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2708691-2708699-2708703--246-2708981
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

au!. Da ist es wieder, viel näher. Und nun zieht ein farbiger Zug den Hügel herunter; groß 3, wehende, grüne, rote, bestickte Fahnen, Männer in langen, bunten Gewändern, Leute au! Eseln, Frauen, Jungens, So zieht das langsam nach Umm el Tut, immer unter dem dumpfen Trommel-Rhythmus. In'Umm el Tut zieht man erst noch einmal!eierlich im Kreise herum und stellt dann die Fahnen in einer Pyramide zusammen. Die Derwische setzen sich an einem für sie mit Decken versehenen Platz hin, und das übrige Volk zerstreut sich, klettert au! die Feigenbäume, in den Tut, lacht und schwatzt. Für die Derwische war eine Mahlzeit vorbereitet, die sie nun mit großem Ernst und tiefem Schweigen zu sich nehmen. Abends um 8 Uhr hörte ich die Stimme des Mueddin durch die Dunkel heit schallen, hoch und langgezogen, wie man es so oft vom Minaret der Moschee hört. Ihr könnt Euch den eigenartigen- Reiz nicht vorstellen, der in diesem Ruf liegt. Hoch über einem tönend, in tausend Koloraturen, leise und doch jedem sich ins Ohr drängend. Und nun in der Nacht, in der Stille sovielklarer und eindringlicher klingend. Als ich hinkam, beteten sie, und nun sah ich auch „Ihn44, den großen Scheich mit der grünen Kopfbinde, den Abkömmling des Propheten. Nach dem Gebet trat jeder zu ihm, um ihm die Hand zu küssen und mit der Stirn zu berühren. Dann setzte man sich im Kreise um die Teppiche, nicht weit vom hochlodernden Feuer. Hinter den Berwischen, im Halbkreis, Männer mit Trommeln. Zwei mit kopfgroßen, mit Fell bespannten Metallbecken, mit hellem, kurzklingtndem Ton; und die anderen mit mächtigen, dumpfen Trommeln. Der Scheich und der Mueddin nehmen messingne Schellen in die Hand, Ein Derwisch beginnt eine langsame Litanei, Anrufungen. inJang&i* facfarengleiche Töne ausklingem£t andern antworten leise und dumpf, sich versunken, vor sich hinstarrend. Langsam beginnen die kleinen Trommeln. Dumpf und monoton fallen die großen ein, und dazwischen klirren die Schellen des Scheichs. Rumdara, Rumdara, Rumdara, Rumda. Rurodara, Rumdara, Rumdara, Rumda. Eine seilsame, beunruhigende* aufreizende Wiikung hat diese dumpfe, monotone, scharf rhythmische-.Musik. Und stumm, langsam sich wiegend, geben die Derwische sich ihrem Einfluß hin. Da der Alte sitzt mit geschlossenen Augen, langsam wiegt er den Kopf, ab und zu zuckt die Hand. Dort jener starrt stier vor sich hin, nur die Schultern gehen langsam im Takte. Dieser mit dem weißen Turban und der hohen Stirn zittert leicht, sonst keine Bewegung. Langsam wird es bewegter; die Bewegungen werden größer, die Trommeln werden wilder, abgerissene Worte fliegen vom Munde. Da, der eine, die Arme fliegen hoch, der Kopf zurückgeworfen, die Hände geballt, der ganze Oberkörper wirft sich hin und zurück, hin und zurück -~ eio Sprung — er sitzt mitten im Kreise. Und nun beginnt ein wahnwitziger Kampf, ich kann es nicht anders nennen. Der Körper wirft sich wild hin und zurück, reckt sich hoch, die Arme greifen mit gekrampften Fingern hoch in die Luft; wieder wälzt er sich am Boden, ein wildes, tierartiges Gebrüll ausstoßend. Immer wüder die Trommeln, immer schneller die Bewegungen, eine wilde, unsichtbare Kraft drückt ihn zu Boden, er taumelt wieder hoch, wild brüllend. Langsam wird die Musik ruhiger, die Bewegungen werden rhythmischer, bewußter. Allmählich 120

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.