Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 6-7 (3.1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 117 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Kunst, buddhistische Philosophie und dergleichen mehr behandelt — wie es in letzter Zeit im „Blau-Weiß" häufig geschehen ist — und ich glaube, daß es endlich an der Zeit ist, positive jüdische Dinge zu treiben und konkrete sachliche Arbeit zu leisten, durch die die Einzelnen in Dingen, die für ihre und unseres Landes Zukunft wichtig sind, wahrscheinlich mehr gefördert werden. Was ich unter dieser konkreten sachlichen Arbeit verstehe, möchte ich nur an einigen Beispielen zeigen: Ich bin. schon bei manchen Bünden inStadt- «nd Landheimen gewesen, und fast immer ist es mir aufgefallen, wie wenig rcan es verstanden hat, die einzelnen Heime wirklich heimisch zu gestalten oder auch nur einigermaßen zweckmäßig und schön einzurichten. Glaubt nicht, das, was ich hier über diese Dinge sage, sei kleinlich oder unwesentlich. Ich selbst habe bei meinem Bund erfahren können, wie sehr durch die Arbeit an Stadt- und Landheim nicht nur Lust und Liebe zur Sache bei Größeren und besonders bei den Kleinen gesteigert werden, sondern — was das Wichtigste hierbei ist — wie manch einer bei solcher „selbstschaffenden" Tätigkeit plötzich entdeckt, zu welchem Fach er Fähigkeiten "besitzt, durch solche Arbeit oft erst merkt, zu welchem Beruf er wahrhaft „berufen* ist. Es gibt allein bei einer solchen Heimgestaltung eine Reihe von Arbeiten, die ins Fach des Elektrotechnikers, Tapezierers, Malers, Schreiners. Schlossers u. a. fallen. Eine andere Art der Arbeit, wie ich sie wünsche, wäre die gemeinschaftliche Anfeitigung von mancherlei Gegenständen durch Jungen sowohl wie durch Mädchen. Diese Arbeiten könnten dann auch wieder in anderer Weise Nutzen bringen, so etwa durch Verkauf bei jüdischen Veranstaltungen zu Gunsten des Hechaluzfonds und ähnlicher Einrichtungen. Ferner müßte jeder Bund, was doch wohl nicht so sehr schwer fallen dürfte, sich bemühen, in der Stadt oder außerhalb ein Stückchen Land zu erhalten, durch das den Aelteren und Jüngeren Gelegenheit gegeben ist, sich einen kleinen Garten anzulegen und wobei es sich erweisen kann, ob die Einzelnen über das nötige Maß von Liebe, Interesse und Initiative zu einem Agrarberuf verfügen. Ich glaube bestimmt, daß, wenn neben positiver jüdischer Arbeit stark solche und ähnliche Arbeiten getrieben werden, wie ich sie hier ganz kurz vorzeichnete, sie vielen von unseren Leuten die richtige Berufseinstellung sehr erleichtern und manchem den Weg zum Handwerk eröffnen werden. Ich selbst bin durch eine derartige ^Arbeit zum Schreinerhandwerk gekommen und möchte einiges Allgemeine über die Ausbildung hierzusagen» was wahrscheinlich zum großen Teil für die andern Handwerke auch zutrifft. Wer ein Handwerk erlernen will, muß zunächst einmal ein großes Teil Geduld und Ausdauer mitbringen, doch wird diese im Laufe der Zeit reichlich gelohnt Man kann cämlich in den für uns in Frage kommenden, wirklich aufbauenden Handwerken, was die Qualität der Arbeit betrifft, gerade in Deutschland eine Unmenge Mustergültiges lernen, da das deutsche Handwerk immer noch mit an erster Stelle steht. Zu einer Ausbildung, die wesentlich gründlicher und besser sein soll als die, welche die überwiegende Zahl der ostjüdischen Handwerker besitzt, halte ich eine Ausbildungsdauer von mindestens 4 bis 5 Jahren für dringend erforderlich. Es wird auch gut sein, nach Möglichkeit die Gesellen- und auch die Meisterprüfung zu machen. Es kommt bei der Ausbildung, nachdem die grundlegenden Kenntnisse einmal erworben sind, 117