Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 6-7 (3.1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 118 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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auch sehr darauf an, auf möglichst viel verschiedenen Arbeitsstellen tätig zu sein, da man auf jeder eine Fülle von Dingen neu hinzulernen kann und da in der einen Werkstatt in der Hauptsache ganz andere Dinge hergestellt werden, als in einer anderen desselben Faches. In der Bau- und Möbelschreinerei ist es auch sehr wichtig, in verschiedenen Gegenden ßeutschlacds gearbeitet zu haben, da die Art und Weise der Arbeit in den einzelnen Landes teilen wesentlich verschieden ist. Auch muß jeder, der eine derartige Ausbildurg durchmacht danach streben, Kenntnisse im technischen Zeichnen sowie möglichst auch kunstgewerbliches Wissen zu erwerben. Ein Handwerk erfordert, wenn man es in Palästina nutzbringend ausüben will, sehr vielseitige Erfahrung und bedeutende Kenntnisse. Ich möchte das wieder an meinem Fach erläutern. Ein guter Schreiner, der einmal selbst einen Betrieb führen will, also dann eine Stellung einnimmt, wie ungefähr hier in Deutschland ein Meister, muß verfügen über: eingehende Holzkenntnisse (Arten, Krankheiten, Qualität und Eigenschaft der Hölzer), möglichst weite Werkzeug- und Maschinenkenntnisse (Instandhaltung der Maschinen einbegriffen, was keineswegs eine einfache Sache ist), Erfahrung in der Bauschreinerei (Fenster-, Türen-, Fußböden- und Treppenbau), sowie in der Möbeltischlerei; sodann muß er Erfahrung haben im Beizen und Polieren usw.; er muß zeichnen und nach einer Zeichnung ein Teil richtig auskalkulieren können und vieles andere mehr. Da die meisten ostjüdischen Handwerker nicht so vollkommen ausgebildet sind, werden Leute, die ihr Fach durch und durch kennen, wahrscheinlich sehr benötigt sein, und es müßte daher jeder unserer Handwerker möglichst viel Fachkenntnisse zu erlangen suchen, selbst wenn er dadurch erst eine gewisse Zeit später würde übersiedeln können. Für die Arbeit in Palästina wird sich wohl gerade beim Handwerk ein Zusammenschluß mehrerer ausgebildeter Leute zu einem genossenschaftlichen Betrieb empfehlen, zunächst wegen des in diesem Falle bedeutend kleineren Aufwandes an Kapital, weil in einer mittelgroßen Werkstatt natürlich wesentlich billiger und schneller gearbeitet werden kann, als in einer entsprechend kleineren, weil zu einer größeren Werkstatt verhältnismäßig weniger Werkzeug benötigt wird, vor allem aber, weil hier viel eher und in besserer Ausführung die notwendigsten Maschinen gehalten werden können, die der Einzelne sich meist gar nicht leisten könnte, die aber heute in den meisten Handwerken zu einer rentablen Arbeit gar nicht zu entbehren sind. Besonders aber ist beim Handwerk zum genossenschaftlichen Arbeiten zu raten, weil hier dadurch, daß jeder der am Betriebe interessierten Arbeiter selbst über besondere Erfahrung in gewissen Arbeitsbereichen verfügt, bei gemeinschaftlichem Arbeiten eher gute Ware produziert werden kann als im Einzelbetrieb. Soweit das, was ich über handwerkliche Ausbildung und ArberHm allgemeinen sagen kann; ich würde mich freuen, wenn ich hierdurch auch dem einen oder andern der handwerklichen Praktikanten Veranlassung gegeben hätte, an dieser Stelle über sein Fach zu berichten. Duisburg Walter Heimann. 118