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Blau-Weiss-Blätter · 1921-03-01 · 6-7 (3.1921) · p. Seite 107

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1920-1921)
Issue
6-7 (3.1921)
Date
1921-03-01
Page
Seite 107 (sequence 13)
Language
German
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lebens zu liefern *) Damit ist sie durchaus unter die Kategorie der werktätigen, sich sachlich-politisch, ökonomisch auswirkenden Berufe gerückt- Sie verlangt mithin von jedem, der sie ausüben will, sachliche Kenntnis der Fachgebiete, die sich mit den Eigenschaften der verwerteten Stoffe befassen. Naturwissenschaften, Mathematik sind ihr wesentlichste Hilfswissenschaften. Nun ist jedoch für den Forscher das analytische die Hauptsache: durch Induktion will er die kausale Verknüpftheit der Dinge und Ereignisse erkennen und sie mit einem Begriffsgebäude irgendwie nachbilden. Er deDkt nach. Synthese tritt erst ein beim Nachwissenschafüichen, bei der Aufstellung von Theorien, Hypothesen. Ganz anders der Techniker. Die Eigenschaften der Dinge sind ihm nicht Forschungsgebiet mehr, sondern er weiß darum, hat sie jederzeit bereit zur Anwendung. Er wird auch einmal forschend das Wissensgebiet erweitern, aber das ist nicht charakteristisch für den Techniker, und nur auf das Typische kommt es in diesem Zusammenhang an. Der Techniker zerlegt nicht, sondern baut zusammen. Das Einzelne interessiert ihn nur, sofern es Teil, Organ eines Ganzen werden kann. Und das Wissen um die Eigenschaften der Dinge dient dazu, zu Trauen unter möglichsterAusnutzung der ihnen innewohnenden stofflichen und energstischen Eigenschaften, zu bauen ferner unter möglichster Ersparnis an Aufwand während der Arbeit**) Der Techniker denkt also vor. Nicht die Kausalität, sondern erkenntnistheoretisch gesprochen ihre Umkehrung, die Zweckidee bewegt ihn. Charakteristisch hierfür ist z. B., daß für ihn der wichtigste Zweig der Mathematik nicht die Analysis ist, sondern die Darstellende Geometrie. Wie die Technik höchst zweckdienlich ist, ist sie im hohen Maße örtlich und zeitlich bedingt. Jedes Land,. jede Epoche hat andere Aufgaben, andere Bedürfnisse, andere Kenntnisse und anderes Material zur Veifügung, also ergeben sich verschiedene Lösungen unter den verschiedenen äußeren, Bedingungen. So baut man z. B. in Europa mit ganz anderen Baustoffen als in Palästina, wei man anderes Material zur Verfügung hat, weil andere %WirtschaftsVerhältnisse und Wohngewohnheiten vorliegen, ein anderes Klima vorliegt, andere Meuchen dort wachsen usf., selbst wenn beide Länder dieselbe Ai beitstradition hätten, genügte dies letzte, um zwei verschiedene Bautechniken sich entwickeln zu sehen. Einige weitere Beispiele: vor dem Kriege war in Deutschland die produktive Kleinsiedlung, die Ermöglichung einer vollkommenen Fäkalienverwertung, die Rationalisierung der landwirtschaftlichen Technik durchaus nicht so drängend wie heute; der Ueberfluß an billigen, soliden Baustoffen ließ das Suchen nach anderen Baumethodea und Baustoffen (beute z. B. Lehmstampfbauweise) als völlig unsinnig erscheinen. Die Einführung der Maschine in die Produktion ■ : 1-—^ ' - •. . V *) Interessant ist dabei festzustellen, wie jede Wirtschaftsform ihre eigene Technik hat, die heutige ist .ein Kind des Kapitalismus, hauptsächlich erklärbar durch dessen Bedürfnis, an Aufwand bei der Produktion einzusparen. Der Höhepunkt, vom rein, kapitalistischen Standpunkt aus gesehen, ist das Taylorsystem. ** **) Vom nichtkapitalistischen Standpunkt aus gehört zum „Aufwandsparen' wesentlich die Wiedervermenschlichung der Arbeit. Wer dies erreichen will, muss den Mut haben, vom kapitalistischen Standpunkt betrachtet „rückschrittliche" Dinge m, die Technik einzuführen. Der Enge des Rahmens halber nur diese Anmerkung, die hoffentlich zum Nachdenken anregt.

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