Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 6-7 (3.1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 108 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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mit deren Steigerung erklärt sich fast restlos aus der Tatsache, daß dem kapitalistischen Unternehmen die Art des ATbeitsvollzuges, ob sparsam an Aufwand, aller Art, viel mehr des Gewinnstes halber von hohem Belang war, als dem selbständigen Handwerker der zeitlich vorhergehenden Periode. Um dem eigentlichen Wesen der Technik etwas näher zu kommen» wähle ich, als mir besonders naheliegendes Beispiel, die Entstehung einer Wasser* kraftanlage. Eine Gegend hat Bedarf an Energie. Aus wirtschaftlichen Gründen* weil Kohle zu teuer oder zu edel ist und besser für chemische Industrien aufgespart bleibt, oder weil man vielleicht doch einmal das Gewerbe als Produkionsform halten will und man dies nur dann als technisch vernünftig, weil nicht Energie verschwendend, vor seinem volkswirtschaftlichen Gewissen verantworten kann, wenn alle Kleinbetriebe eleklrische Energie, billige noch dazu, verbrauchen«— aus einem dieser Gründe vielleicht soll eine Ueberlandzentrale entstehen. Der Energiebedarf kann, so „sieht man" (d. h. „man" ist Fachmann), aus diesem Gewässer an dieser Stelle gewonnen werden. Es werden nun die äußeren Bedingungen gründlich studiert, um zu erfahren, wie weit „man** richtig gesehen hat. Zuerst wird die Vermessung vorgenommen. Sind alle Planunterlagen fertig, so beginnt die allgemeine hydraulische Berechnung, die eben genau zeigt, ob das Wasser die nötige Energie erzeugen kann. Danach beginnt die Pro* jektierung: die Ingenieure, nachdem sie sich „in der Lage* eingearbeitet haben, d. h. sie genau kennen gelernt und ihrem Gedächtnis und ihrer Phantasie einverleibt haben, gehen daran, durch Akte schöpferischer Phantasie, unter Benutzung und Berücksichtigung der vorliegenden Verhältnisse, der Lage des Marktes, der zur Verfügung stehenden Arbeit und Baumaschinen, das bezweckte Endziel in die Zukunft zu projizieren, d. h. sie legen die Bilder des Zukünftigen fest, stellen sie zeichnerisch dar und kontrollieren zeichnerisch und rechnerisch auf Richtigkeit sowohl in bezug auf Erreichung des Endzweckes, als auf Wirtschaftlichkeit beim Herstellungsvorgang. Auf diese Weise entsteht ein schließlich bis in alle Einzelheiten geschriebenes Bauprojekt Von jedem Stück ist eine bild- und zahlenmäßige Darstellung da, die jeder, der diese Sprache versieht lesen kann. * Dabei ist natürlich durch die Auswahl des Materials auch der spätere Arbeitsprozess in hohem Maße vorbestimmt (Mauerung, Betonierung, Eisenbeton-» Fachwerk- oder Vollwandeisenkonstruktion usw.). Wie gesagt, innerhalb der vorliegenden politischen, wirtschaftlichen, klimatischen usf. Bedingungen schaltet der projektierende Ingenieur frei schöpferisch vergleichbar etwa dem Großen Qeneralstab. Er wählt von verschiedenen Möglichkeiten die richtigste, zweckmäßigste« Ist das Projekt fertig, so schließt sich meist ein Rattenkönig von wasserpolizeilichem Verfahren an. Den Projektierenden war es nicht möglich, äße widerstreitenden Interessen zu versöhnen (der eine Anlieger will viel, der andere wenig Aufstau. Dem versumpfen die Wiesen, dem werden sie noch nicht naß genug. Die Forellenfischerei leidet, die Flösserei und Schiffahrt desgleichen usf.) So muß der Staat den Ausgleich de. Interessen, die Entschädigung nun billig vornehmen. Dann beginnt die Ausführung, Die Baustelle wird durch die örtliche Bauleitung und Bauführung („die Betriebsingenieure*) und deren erste Helfer Facharbeiter und Parliere) planvoll durch Aufstellung von Bauhütten, Maschinen-» 1 f\Q