Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 6-7 (3.1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 105 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Belgien urteilte, „die Scouts der ganzen Welt, obgleich sie anscheinend alle nach dem von Baden - Powell geschaffenen Programm arbeiten, nichtsdestoweniger ganz verschiedene Mittel, mit welchen sie sich bemühen, ihre Ziele zu erreichen, genau so wie ihre Anschauungen über die scoutische Ideologie von einander abweichen*. Unter den „verschiedenen Mitteln und Anschauungen" ist aber weniger ein Anderssein der technischen Ausbildung verstanden, als ein Anderssein der Gegenstände und Fähigkeiten, die von dieser je nach den volklichen Bedingungen besonders betont werden. Die Einzigartigkeit des jüdischen Daseins stellt die Zofim des Galuths vor Schwierigkeiten, die sich heute kaum überwinden lassen. '„Die Aufgabe des jüdischen Scout ist schwierig Da er in einem fremden Milieu erzogen ist, welches nicht die nationalen Bedürfnisse der jüdischen Scouts pflegt, muß er diese Lücke füllen, in dem Milieu, das er sich bildet. Hier finden sich die Grundunterschiede zwischen der jüdischen Scout- Bewegurg und dem internationalen Scouting (Churgel)". Die Stärke der englischen Jugendbewegung liegt doch gerade in der völligen Verknüpfung mit Oeffentlichkeit, Volk und Staat; jede kleinste Leistung des kleinsten Boy Scout ist am Ideal des good Citizen orientiert und koirmt der Tatsächlichst der good citizenship zugute. Die Grundlage des Scouting liegt im Bescheidwissen und Umgehenkönnen mit _allen Dingen des täglichen Lebens, das für den englischen Jungen in einer Art und Weise sein eigenes tägliches Leben ist, wie sie zugleich anspornend und beglückend für den jüdischen erst in Erez Israel gelebt werden kann. Die Romantik des jüdischen Jungen entzündet sich an Luftschloß oder Zukunft, die des Engländers an Wirklichkeit und Gegenwart. In diesem Gegensatz liegt die Grenze beschlossen, die den jüdischen Scoutbewegungen gesetzt ist, fühlbarer etwa als dem Blau-Weiß, der, auf anderen Grundlagen fußend, ein Kulturbewußtsein in sich trägt und wirkt, das ihn zur selbständigen Blüte treiben kann, wenn auch Gedeihen und Entfalten im Kleinsten wie im Größten nur in der Richtung auf Palästina möglich ist - .-. - ■• . vl ■ ,. •" '' „Unsere Erziehung gilt nicht so sehr der Disziplinierung der Jungen, als vielmehr der Absicht, ihnen beizubringen, wie man sich selbst diszipliniert" Niemand wird daran denken können, das Ganze des Boy Scout Systems für den Blau-Weiß übernehmen zu wollen; dazu fehlt uns schon die Oeffentlichkeit und Wirklichkeit eines jüdischen Gemeinwesens. Und im einzelnen werden wir vieles entbehrlich finden, manches anders begründen. Das dennoch das Scouting for Boys uns Werte von größter Fruchtbarkeit und eine Unzahl von Anleitungen zu praktischem Tun [übermitteln kann, wird schon aus der Darstellung des Systems eingeleuchtet haben. Dieser Aufsatz kann nur eine Anregung. dazu sein, sich innerhalb des gesamten Bundes mit der Praxis des Boy Scout Lebens bekannt zu machen und damit anzufangen, die Fülle des gebotenen Stoffes soweit zu nutzen, als es für uns möglich ist; denn es ist selbstverständlich, daß endgültig über die Bedeutung der Boy Scouts für uns nichts anderes entscheidet, als die praktische Wirksamkeit Besonders Züge und Bünde, die im Augenblick eine schwere Zeit durchmachen, seien mit Nachdruck auf die Boy Scouts verwiesen; die Arbeit erfordert nicht den »geborenen* Führer, sondern jemanden, der mit Lust, Ernst und Ausdauer erziehen will. 105