Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 6-7 (3.1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 104 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Somit steht der englische Junge vom 8. Jahr bis zum 20. in der einheik liehen großen Bewegung, in der er planmäßig und unaufhörlich von Stufe zu Stufe gebracht wird. Eine Erziehung von gleicher Folgerichtigkeit und Allgemeinheit gibt es heute nirgendwo anders mehr. Der Erziehung der Jungen geht eine ähnliche Erziehung der Mädchen parallel. Von dem Geist, der Verbreitung und Arbeitsweise der Girl Scout« aber kann ich infolge persönlicher Unkenntnis nichts mitteilen; es ist nicht uninteressant, daß auch für diese Bewegung Baden-Powell das Handbuch geschrieben hat. Bezeichnend aber für das englische Leben ist, daß Jungen und Mädchen bei aller selbst innereren Aehnlichkeit der Organisationen dennoch getrennt von einander arbeiten. Das Ideal der englischen Jugendbewegung ist der Mann,; V. „Scouting wendet sich an den Einzelnen, nicht an die Menge. Es erweckt geistige Fähigkeiten ebenso wie rein körperliche und rein sittliche. Zuerst strebte es nach diesen Zielen —, nun wissen wir durch Erfahrung, dass es sie überall dort erreicht, wo es richtig gehandhabt wird." ~ Die Idee des Scouting blieb durch die Kraft, die ihr innewohnt, keineswegs auf Englandt beschränkt; überall in Europa und der europäischen Welt gibt es heute Pfadfinderbewegungen *>, die ihren nationalen Charakter nur betonen, wenn sie sich als Glieder einer einzigen großen Scout Bewegung betrachten. Auch die jüdischen Jugendbewegungen außerhalb Mitteleuropas, die Schomrim des Ostens, die Zofim in Skandinavien, Holland, Belgien, Aegypten und Erez Israel, alle im Sinn der englischen Boy Scouts organisiert, fühlen sich als Angehörige der großen »Bruderschaft*. „Wieviel Nutzen hat nicht die Pfadfinderbewegung tausenden von Söhnen anderer Völker gebracht! Wieviel mehr uns erst, dem jüdischen Volk, das sich sein Nationalheim erbauen will", heißt es in einem hebräischen Brief des Zofirnfühiers von Jaffa an den Breslauer Bund. Dennoch haben, wie der holländische Rosch Hagdud S. Churgel in der Dezembernummer 1920 der Hatikwah, des Organs der national -jüdischen Boy Scouts in •) Die deutschen Pfadfinder, die bis zum Kriegsende ein einheitliches Gesicht aufwiesen, stellten besonders in ihrer Verbindung mit Militär und Kaisertreue eine Verwässerung der englischen Idee dar, gegen die sie sich sogar ausdrücklich wendeten; auch ohne persönliche Erfahrung ist der Vergleich, der offiziellen Lehrbücher aufschlussreich. Obwohl „Jungdeutschlands Pfadfinderbuch" Baden- Powell, beinahe abschrieb, spricht aus ihm ein ganz anderer Geist. Um der Sache halber, ist aber das Studium dieses Buches unbedingt dort zu empfehlen, wo da» englische nicht aufzutreiben ist. Die deutschen Pfadfinder sind heute in zahlreiche gegensätzliche Strömungen aufgeteilt, sodass sie als selbständiges Ganze kaum mehr die alte Bedeutung gewinnen werden. Während der Drucklegung kam mir da* 2. Heft 1921 (Heimat und Welt) der Zeitschrift „Der Weisse Ritter" (Regensburg), der Zeitschrift der Erneuerungsbewegung im Deutschen Pfadfinder-Bund, zu Gesicht, in der eine sehr sorgfältige und interessante Darstellung der„Wehpfadfinderbewegung"* namentlich der Boy Scouts in JEngland enthalten ist. Die im tiefsten Punkte ablehnende Stellung gegenüber der englischen Bewegung kommt auch in dem Abdruck eines Aufsatzes von John Hargrave (November 1920) zum Ausdruck, der aus dem Rahmen und der Idee der Boy Scouts aber trotz scharfer Polemik gegen das Staatsbürgerideal nicht herausfällt. 104