Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 4-5 (1.1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 89 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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Pessach. Ich muß sagen, mir hat der richtige Seder sehr gefehlt. Hier hat man gut gegessen, gesungen und geschieh ert, und in Daganiah fragte ein Junge sogar Kasches. Aber es ist alles nichts gegen den richtigen Seder, orthodox oder nicht. In Daganiah w ar noch so eine Art Kinderfest sehr niedlich all die Vorführungen von den Kindern zu sehen, aber nichts weiter. — — Und noch was. Der wunderbare See und kein Jehudi schwimmt, keine Farm hat ein Boot oder ein Netz, keiner angelt, kleiner segelt, wasserscheu wie im Golus. Ajeleth ha Scbachar, 22 Mai 1920. Ich bin eben aus Galiläa nach Hause gekommen, und alle Eindrücke sind noch ungeordnet Aber es bleibt eine ganz tiefe und starke Sehnsucht zurück. Vielleicht nicht nur nach dem Land, aber nach dem Leben dort Der Pilüger mit dem Gewehr auf dem Rücken, das war und ist heute noch Symbol für das Leben dort. Leben voll Gefahr und frohem Schaffen. Es ist ein ganz eigentümlicher Grundton bei all den Besprechungen und die laute Fröhlichkeit, die man zuerst sieht, die einem" fast düpiert, will wohl die ernsten manchmal wehmütigen Grundstimmungen übertönen. In all den Kwuzoth dort sind Menschen heterogenster Art Aber das Leben dort schleift und formt, und es ist trotz aller Verschiedenheit ein gleicher Zug in allen: ein Sich-stark-füblen, weil die Gemeinschaft hinter einem steht. Und der Jiskor hat recht. Es ist ein anderes Leben als in Judäa, die Menschen sind starker, primitiver, sind Bauern. Trotz all der Kleinheiten und Unvollkommenkeiten, die es so reichlich gibt und des Parteigeredes in den Städten — alles verschwindet vor der Arbeit und der Gefahr. Ich rede soviel von Gefahr, Gefahr; ich muß Euch mal einen Ueberfall erzählen, dsimit Ihr einen Begriff bekommt Ajeleth ha Schachar, 22 Mai 1920. Wir waren eben schlafen gegangen, da weckt uns ein Schomer, etwa um */* 10: „Chewre, stehts auf! es drehen sich Araber draußen herum." Leise zog sich jeder an, bekam seine Knarre und 50 Patronen und in 5 Minuten stand alles auf dem Posten. Eine Stunde, zwei Stunden, — nichts. Wir gingen schlafen. VierSchomrim wachten. Am nächsten Abend haben wir gesungen bis 11. Sie haben da ein par gute Sänger, und wenns mal anfängt, ist es schwer aufzuhören. Dreistimmig, mit allen Schikanen. Allmählich ging man aber doch schlafen, wenn auch ungern. Es war eine kühle, mondhelle Nacht Bald war nichts zu hören, als manchmal ein Hundeknurren, ein schwerer Schritt, Kettenrasseln der Kühe. Da, auf einmal, ein. - zwei — drei Schüsse. Ein Schomer stürzt herein: „Chewre, stehts auf! stehts auf! Alles voll Beduinen!*1 Und dabei fing er an, aus dem Fenster zu knallen. Alles war natürlich gleich auf den Beinen, Flinten waren von gestern her noch im Bett, seinen ^Posten kannte jeder. Und inzwischen fing ein Feuer an, von draußen und drinnen, daß man kein Wort hörte. An jedem Fenster zwei Mann. Und bald kommen auch die Kugeln in die Zimmer, Gottseidank alle ziemlich hoch. „Wie stebts im Hof, weiß keiner? das Vieh? Wer ist im Hof?" — Vom Hof wahnsinniges Feuer. Einer kommt angelaufen: >fWas ist los?" „Araber im Hofl Quatsch, gib Kugeln, schnell!" Weg ist er. Wieder stehen wir am Fenster und knallen auf jede Bewegung, auf jeden aufleuchtenden Schuß. Da kommt vom Hoftor her, an der Baracke vorbei, eine Gruppe Araber angelaufen, 10 m 89