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Blau-Weiss-Blätter · 1921-01-01 · 4-5 (1.1921) · p. Seite 88

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1920-1921)
Issue
4-5 (1.1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 88 (sequence 34)
Language
German
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noch nicht abgeschlossen.) Tel Addas hat in der Geschichte des Jischuws seinen eigenen Platz. Dort lebten die Witwen der gefailnen Schomrim. Es hat einen eigenen Klang dort alles. Hier in Daganiah sah ich das Grab von Möschen Barskin (Ihr kennt ihn aus dem Jiskor). Eine lange Reihe von Gräbern ist es am Ufer des Jordan, ganz im Grünen verwachsen, am Abhänge eines Hügels mit Eukalyptus. Kurz sind all die Inschriften. Bussel, einer der Gründer von Daganiah, "ertrank im See, ein anderer starb vor Durst im Gefängnis Dschemal Paschas. Ein Mädchen starb an Cholera, und so geht es weiter, eine lange, lange Reihe; ich war mit Rubaschoff dort, den ich fast an jedem Ort wiedertraf, und wir freuten uns beide gleich. Er macht auch eine Studienreise durch Galiläa. In Merchawiah hielt er einen Vortrag über die Frankisten, der sich fast zu einem Ueberblick über die ganze innere Entwicklung des Judentums im Mittelalter, über die Sabatai Zwi Bewegung usf. auswuchs. In einem wunderbaren Fluß und mit einer Eindringlichkeit, die jeden mitriß. Ich sprach viel mit ihm, vor allem über die jetzt wieder, anfangenden Einheitsbestrebungen zwischen Achduth und Hapoel Hazair. Hier im Lande unter den tatsächlichen Verhältnissen ist nämlich wahrhaftig kein Unterschied, der so stark wäre, daß er das Bestehen der Trennung und die daraus entstehenden Kraft- Verluste rechtfertigte. Kinereth. Jetz-t bin ich also hier und sehe immer mehr, wie schön Daganiah ist. Hier eine große Menge Menschen (von der Trockenlegung des Sumpfes vom Jordan her). Viel Leben und Lärm. In Daganiah alte, lange doTt arbeitende Arbeiter, innere Harmonie und Leitung mit wirklich sicherer Richtung. Hier in Kinereth nicht so viel Obgleich man staunen muß, was die Leute hier geleistet haben an Pflanzungen, an Drainierungs- und Sanierungsarbeiten. Von der Kwuzah Zeiroth ist kaum etwas zu hören. Sie führen da ein ganz eignes, stilles Leben, bearbeiten ihre Gemüse und halten sich ziemlich getrennt von dem geräuschvollen Leben in der großen Kwuzah (60 bis 70 Mann.) Hier sieht man so richtig, wie eine Kwuzah nicht sein darf, nämlich gemacht, ohne innere Verbundenheit als Grundläge. Hier in Bethaniah ist eine kleine Gruppe von österreichischen Blau-Weißen. Die Leute arbeiten noch nicht als Kwuzah» aber leben so und werden wohl im nächsten Jahr eine eigene Wirtschaft übernehmen. Das ist der richtige Weg: als Kwuzah herkommen, hier meinetwegen verstreut arbeiten, hier und da lernen und doch im Zusammenhang bleiben und dann nach einiger Zeit zusammen das richtige .Leben anfangen. So müßt Ihr es dort machen, Kwuzotb bilden, zusammen lernen, wenn es geht zusammen arbeiten und dann möglichst fix herkommen. Was wird nun eigentlich aus Schear Jaschuw mit Blau- Weiß Färbung, hört man was, oder ist die Sache bis nach der Valuta vertagt? Ich habe hier die amerikanische Achusa Poriah und die Icafarm Bethaniah gesehen (so der fiebrigste urd heißeste Ort von ganz <jaliläa)undmuß wieder sagen, es gibt nur einen Weg: Kwuzah auf möglichst selbständiger Grundlage. Dort oben ist jetzt wo einige Achusanten hergekommen sind» alles unklar. Die Wirtschaft ist äußerlich gut, innerlich fehlt ihr natürlich dis Selbstverantwortung und die freiwillige Arbeit. Und in Bethaniah ist es noch doller. Kein bißchen Sorge für die Arbeiter: Acht £ und geh! Bethaniah kostet drei mal soviel wie Daganiabw und es ist noch nichts zu besehen. 88

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