Mannheim
Compact Memory

Blau-Weiss-Blätter · 1921-01-01 · 4-5 (1.1921) · p. Seite 86

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1920-1921)
Issue
4-5 (1.1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 86 (sequence 32)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2708691-2708699-2708702--211-2708945
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

zungen, teils sehr jung, „jaar herzl«, ein schöner Hain von Palmen und Nadelhölzern. Ein Hof mit Stallgebäuden, das Herzlhaus — Ihr kennt es von den N. F.»Marken. Herrlich ist der t weite Blick auf die Berge. Arbeiter in weißen Blusen, Mädels treffen wir, gehen in die Küche, Kaffee trinken und dacn durch dieStälle. Moische reitet auf einem Maultier nach Kfar Uriah zu seinem Freund, und ich bleibe hier. Saubere Ställe, schöne große Kühe, gut gepflegt, Pferde und Maultiere. Turngeräte im Hof und überall frische Jungens — keine Araber — Frauen mit kleinen Kindern. Alles froh und hell. Sie bekommen relativ sehr gute Löhne (7^2 Sh. pro Tag gegen 4—5 sonst), essen gut, wohnen gut, leben schön. Aber das jährliche Defizit! Das macht alles illusorisch. Wenn Hulda nach 15 Jahren noch nicht seine Kosten aufbringt? Am Abend gingen wir im Elltempo nach Hause, verirrten uns beinahe, unter beifälligem Geheul aller Schakale, so daß wir schon die Messer losmachten. Dann gingen wir noch in den Pardeß, um Mandarinen zu essen, 12.' Januar 1920. .... Die Jungen sollen Gartenbau lernen, vor allem Bautnpflege. Hier braucht man auf jeden Fall Pflanzungsbau. Ich glaube, einen Kerem, Mandeln oder Oliven wird sich jeder anlegen, Orangen und Trauben weniger. Und dann hetze alle auf Viehwirtschaft, Milchwirtschaft, Meierei, Käsefabrikatjon. Das ist hier, wo es guje Butter nicht gibt und schlechte nur ganz wenig, sehr, sehr wichtig, und kein Mensch versteht was davon. Da ist auf Jahre Arbeit Dazu gehört Futterbau. Und auch die Mädels sollen in Meiereien und Milchwirtschaften arbeiten. Guten Käse gibt es hier nicht. Die Jungens sollen Konservenindustrie, Chemie usf. bearbeiten. Und dann viel Tierärzte (6 bis 8) und Lehrer ad infinitum; aber wirkliche, gut ausgebildete, und die auf -dem Dorf, in der Kolonie leben wollen* nicht sofort in die Stadt laufen, wenn es geht Bienenzucht und Blumenpflege verstehen. Gärtchen und Blumen gibt es fast gar nicht hier. Nur inSaronasah ich welche. - Februar 20. Hier ist jetzt Winten In Jerusalem ^fe m Schnee, inBeersewa hoher Schnee. So ein Winter ist noch nicht dagewesen, sagt man hier. Eisenbahn, Diligencepost, alles " stockt, Wege werden grui.dlos, Brücken und Häuser stürzen ein. In Jerusalem ist es furchtbar. Viel Obdachlose, viel, viel Elend. Hagel und Kälte. Ein Teil der Man-. delblüte verhagelt, Saat gelb geworden vor Nässe. (Natürlich infolge mangelnder Drainage.) Die Häuser hier sind nur auf schön Wetter eingerichtet. Aller Regen kommt durchs Fenster, letzte Nacht direkt zu mir ins Bett Oefen giebt es nicht. „Die Arabkes starben vun Kalt.'* Und die Beduinen in Zelten! Eines Morgens kam ich grade dazu, wie drei Männer , unter einem umgeblasenen Zelt quitschnaß hervorkrochen um es wieder zu richten Und der Regen hier stoßweise. Alle 5 Minuten anderes Wetter und immer nach Pausen stärkere Schauer. Rechowoth liegt am Berge. Alle Wasser bilden beim Regen einen reißenden „Wadi" durch die Hauptstraßen. Im Wasser einige Steine zum Herüberbalancieren. Da kann man Bilder sehen! Ich ging lieber langstiefiig durch. Wenn man mit dem Stein kentert ist es noch doller. - Galiläa, ll,Märcl92a Es ist-furchtbar. Die Lage ist so verzweifelt, wie es kein Mensch , dort 86

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.