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Blau-Weiss-Blätter · 1921-01-01 · 4-5 (1.1921) · p. Seite 85

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1920-1921)
Issue
4-5 (1.1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 85 (sequence 31)
Language
German
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AUH AUG, Palästinabriefe. Wir beginnen in diesem Heft mit dem regelmassigen Abdruck der von unseren Freunden in Palästina regelmässig eintreffenden Briefe. Zu den Briefen Oscar Theodor* ist zu bemerken, dass sie in der Zeit durchweg sehr weit zurückliegen, woraus sich einige der heuligen politischen Lage nicht mehr entsprechende pessimistische Schilderungen und Beurteilungen vergangener paläsiinensischer Zustände erklären. Eine zweite Folge von Briefen Oscar Theodors wird im nächsten Heft erscheinen. Reebowoth bei Jaffa, 12. Januar 1920. Gestern habe ich eine feine Fahrt ge dacht. Ich hörte, daß ein Arbeiter aus dem Pardeß nach Kfar Uriah gehen würde. „Gut," sagte ich, »ich geh mit * „Ol, a Meschuggener! Mitten in Winter, in all die Blotte!" Ich nahm mir Brot, Zwiebeln, ein Ei und genügend Apfelsinen und Mandarinen. Am Morgen ging ich in den Pardeß. Moische kroch gerade in die Hosen. „Jalla! Jalla! Moische, is Zeit!" Um sieben Uhr zogen wir los, durch Hügel und Ebene, Felder" und Weinberge, immer mit dem Blick auf die judäischen Berge. Durch ein arabisches Dorf: Häuser, wie aus Sand zum Spiel gebaut, Lehm und Stroh vermischt, mit Blättern gedeckt. Weiber mit großen Krügen auf dem Kopf, in schöner Haltung, andere am Boden kauernd, Hühner, Hunde, Kühe, Schafe, Kamele, alles durcheinander auf der Landstraße. Ein kegelförmiger Erdhaufen der Backofen; ein wunderbar breit ausladender Maulbeerbaum, darunter der Bimmen, aus Steinen hoch auf gemauert, rohe Holzzahnradübertragung; an den dicken Balken arbeiten, schieben 3 Frauen. An einer Stelle statt Weg ein drei Meter tiefes Loch voll Wasser, ein schmaler Weg am Rand. Felder, Kaktushecken, eine eingestürzte Brücke» Dreck, ausgetrocknete Flußbette mit immer weiter abstürzenden .Ufern, ein Lehmhaufen; ein arabisches Dorf, ein Haus ans andere gekleckst. In der Mitte em anständigeres Haus, darin der Effendi oder Scheich, d. h. deijtnige, der Geld hat, für die Fellachen Getreide verkauft, sich die Hälfte einsteckt und seine Leute nach Noten ausbeutet. Das sind die Leute, die jede Kultur unter den Fellachen unterdrücken, denn .wenn die eiwa rechnen könnten oder schreiben--— Dann sieht man vom Berge aus Ekron liegen, kleine Häuser mit Vorgärtchen, sonst ziemlich kahl. Weiter wird es bergig, steinig, wir kommen an Beduinenlagern vorbei. Auf einem Berge dort hinten, liegt Hulda, die Hationalfonds-Farm, in Grün. Noch eine Stunde Weg, durch Olivenpflan- 85

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