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Blau-Weiss-Blätter · 1921-01-01 · 4-5 (1.1921) · p. Seite 82

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1920-1921)
Issue
4-5 (1.1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 82 (sequence 28)
Language
German
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eine kleine Zeit beschränkt, und diese Zeit stetig abnehmend, gedacht. In dem... Augenblick, in dem die Zeit fast die Größe Null erreicht hat, ist auch die Bewegung fast verschwunden: sie stellt in diesem unendlich kleinen Zeitabschnitt gleichsam nur einen Uebergang von einem Punkt zum benachbarten dar, der nun als g 1 e i c h'f ö r m i g betrachtet wird. > ' * Die Methode der Differentiation wenden wir häufig in der Physik an und führen so eine Erscheinungsform in die andere über. Dadurch wird uns überhaupt klar, wie die Dinge ineinander Hießen, wie ein Faden der Kontinuität alles verbindet. Selbst die Dinge, die wir als Gegensätze anzusehen gewohnt sind, lassen sich als eines und dasselbe erweisen. Denn die Aufstellung von Gegensätzen ist ein subjektiver Prozeß und wird vom Realen nicht gerechtfertigt. Wir stellen die Gegensätze „warm* und „kalt" auf. Dabei bedenken wir nicht, daß es weder absolute. Wärme noch absolute Kälte gibt. Selbst' der wärmste Körper ist kalt inbezug auf einen noch wärmeren. Trotzdem hätte der Begriff „Wärme* keinen Sinn ohne seinen Gegensatz die »Kälte", ebensowenig wie .Gesundheit* ohne „Krankheit", „Leben" ohne ^Tod* denkbar ist. . So halten die GegeEsätze das Gleichgewicht der Welt, Gegensätze, die nur fiktiv, nur verschiedene Stufen unendlicher Ablaufsreihen sind. Methodisch aber sind wir gezwungen, solche Gegensätze aufzustellen, um überhaupt Maßstäbe für die verwickelten Verhältnisse der Wirklichkeit zu haben. Wir sind gezwungen, z. B. die Begriffe „elastisch" und „unelastisch" gewissermaßen als Pole hinzustellen, um die mannigfachen Zwischenstufen in der Realität fassen zu können. Die wahre Kontinuität der Dinge können wir weder erschauen noch zahlenmäßig fassen. Wir sehen nur wie in einer Filmrolle abgegrenzte Einzelmomente Dss Mittel, gewonnene Gesetze sinnlich zu bestätigen, ist das Experiment. Das Experiment versucht, einen Naturvorgang gleichsam in reiner Form darzustellen, indem störende Einflüsse und Widerstände ausgeschaltet werden. Natürlich ist nur eine Annäherung an diese „reine Form", den theoretisch vorgeschriebenen Verlauf, möglich, weil nur eine annähernde Realisierung cer Bedingungen möglich ist. Heißt das Gesetz z. B. „Im luftleeren Raum fallen alle Körper gleich schnell", so muß versucht werden, die Bedingung des luftleeren Raumes herzustellen. Völlig ist dies nicht möglich. Fallen dann etwa ein Stück Watte und ein Stein angenähert gleich schnell, so ist anzunehmen, daß bei völlig realisierter Bedingung auch das Gesetz erfüllt sein wirdi Als Erkenntnis probe ist das Experiment brauchbar, nicht aber als Erkenntnis quelle Wenn, wir auch Sätze anerkennen, die aus der Erfahrung stammen, dürfen weder sie noch ihre Folgerungen dem Denken widersprechen. Der Geist findet in den Naturgesetzen überall seine eigenen Gesetze wieder. In der Lehre von den Kräften und Energien überträgt er wie ein Befehlshaber diese Gesetze auf die Natur: Energie ist die Fähigkeit, Arbeit zu leisten. Sie wird nur gemessen an der geleisteten Arbeit Aibeit ist die Ueberwindung von Widerständen. Das Maß der Arbeit ist die Größe des Widerstandes und die Größe der Ueberwindung: ,Arbeit KraftxWeg. Kraft kann nur in ihrem Wirken gegen eine ändere Kraft sichtbar und meßbar sein. 82

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