Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 4-5 (1.1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 81 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Geschwindigkeit kann so gemessen werden, daß der ganze Weg durch die ganze Zeit dividiert wird: c y. Sie ist der Quotient aus Raum und Zeit 'S' Schreibt man die Formel: / —, so kann man ablesen: Zeit ist abv — hängig von Weg und Geschwindigkeit. Und wir messen auch die Zeit nach diesem Gesetz: den Tag nach der Drehung der Erde, die Stunde nach der Bewegung des Zeigers. Die gleichförmige Bewegung hat keine Realität, aber das Gesetz dieser Bewegung hat reale Geltung. Für diese Konstruktion unseres Geistes gilt es. Die Vorgänge der Natur verhalten sich zu den Gesetzen wie die Erscheinungen der Sinnenwelt zu ihren Begriffen: Das Ding kann vergehen oder sich verändern, der Begriff bleibt ewig konstant: „Jedes Mißtrauen in die Beständigkeit der Naturgesetze würde alle Fähigkeiten des Menschen lahmlegen.. Ihre Dauer wird als heilig erachtet und sein Glaube an sie ist vollkommen* (Emerson). Das mathematische Naturgesetz ist seinem Wesen nach quantitativ. Nur die Quantität ist konstant. Holz verbrennt, Wärme wandelt sich in Arbeit: Die Gesamtsumme der Kraft und die des Stoffes bleibt konstant. . Die Pyfbagoiäer haben die Zahl zum Prinzip der Welt gemacht. Ihren ist die Zahl dasselbe, was den ionischen Philosophen die jeweilig absolute Substanz ist Und in Wirklichkeit ist das Zahlensystem ein Bild der unendlichen Differenzierungen und Abstufungen unserer Werte, ein rationalisiertes, vereinfachtes Bild der Dinge. Zahl und Maß umfangen unser Leben. Das Metron wirkt in jedem Kunstwerk. Selbst das, was wir als harmonische Intervalle empfinden, hängt ab von rationalen Verhältnissen der Schwingungszahlen oder der Saitenlänge. Die Entdeckung dieser Tatsache wurde den Griechen „zum unmittelbarsten Zeugnis der unsichtbaren kosmischen Harmonie und Symmetrie/ (Diels). Sie ist der erste Beweis dafür, daß Qualitäten quantitativen Verhältnissen zugeordnet sind. Und heute sind fast alle Qualitäten: Schall, Licht, Wärme, Farbe in ihrer Abhängigkeit von Zahlen erkannt Denn die quantitative Erkenntnis ist die einzig exakte. Durch sie werden die subjektiven Empfindungen auf ihre objektiven Ursachen zwückgeführt und der Forschung erschlossen. Aus den quantitativen Erkenntnissen lassen sich alle anderen Erkenntnisse vom Wesen eines physikalischen Vorgangs ableiten; so die Parabelform der Wurfbahn aus den Wurfgesetzen, die Elektronentheorie aus den Gesetzen über Stoff menge und Elektrizitätsmenge bei der Elektrolyse. - . < Die physikalischen Gesetze bilden ein System: eines geht aus dem andern hervor. Sc steckt das Gesetz für die gleichförmige Bewegung in den Gesetzen für die ungleichförmigen. Wie ist das möglich, da doch beide Bewegungsaiten Gegensätze sind? . <-.- _ Durch die Melhode der Differentiation wird die ungleichförmige in die gleichförmige übergeführt. Diese Methode betrachtet die Größen gewissermaßen in dem Augenblick, wo sie verschwinden. Ebenso wird bei der Bewegung verfahren: Die Dauer einer ungleichförmigen Bewegung wird auf 81