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Blau-Weiss-Blätter · 1921-01-01 · 4-5 (1.1921) · p. Seite 79

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1920-1921)
Issue
4-5 (1.1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 79 (sequence 25)
Language
German
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von.Achelis »Rechtsentstehung und Rechtsgeschichte" (Sozialer Fortschritt, Bd. XI) dienen. Die soziologische Studie von Alfred Vierkandt über »Die Stetigkeit im Kulturwandel* ist sehr gründlich, aber oft geistlos und unbeholfen. Das Gegenstück dazu bildet das »A11 g e m e i n e Staatsrecht* von Ludwig Gumplowicz. Es enthält Gedanken, die bahnbrechend waren, ist aber in der Ausführung sehr zuchtlos und unbedenklich. (1877 erschienen, seither mehrere Auflagen.) Noch viel übler ist die vom Geiste Chamberlaius erfüllte »Soziologie" von Gustav Ratzenhofer. „Das Wesen der Soziologie* (im Jährbuch der Gehe-Stiftung Bd. XIII) von Ferdinand Tönnies gibt inhaltlich wenig, weil es sich nur mit der Abgrenzung der Soziologie befaßt. Das sonst gute Werk von Giddings „Readings on Soziology* (New-York 1906) bleibt, zu sehr im Formalen stecken. Das Buch von Leopold von Wiese «Zur Grundlegung der Gesellschaf ts lehr e" kenne ich noch nicht Die Werke von Georg Simmel kommen nur für sehr Geschulte in Betracht. Zn nennen sind hier die große „S o z i o 1 o g i e* (Duncker & Humblot 1908)/ ein Auszug daraus unter dem Titel »Grundfragen der Soziologie" bei Göschen 1917, und die „Religion" (bei Rütten & Loenig). Berlin. Arthur Prinz. Physik als Bildungselement. Wenn man bei uns über naturwissenschaftliche Erziehung sprach, meinte man meist Botanik, Zoologie, Geologie. Die mathematische Naturwissenschaft wurde für unwesentlich gehalten und oft sogar abgelehnt. Die Gründe dafür sind folgende: Die meisten kennen das Wesen der physikalischen Wissenschaft nicht; denn der Schulunterricht, der meist nur aus zusammenhanglosen Experimenten und Einzelerklärungen besteht, vermag nicht den wahren Sinn und Zusammenhang aufzuzeigen. Daher sehen einige die Physik nur als Unterbau der Technik an: das hieße, Wesen und Zweck der Kuh nur Im Misten sehn 1 Andere erklären diese Art Naturbetrachtung für zu abstrakt und für spezifisch „intellektuell*. Intellektuelle Dinge aber gibt es nicht: Es gibt nur eine spezifisch intellektuelle Art, Dinge; aufzunehmen und diese kann sich sowohl der Botanik wie der Physik bemächtigen. Alles, was einem natürlichen Triebe entgegenkommt, ihn steigert und zu seiner Bestimmung führt, ist gesund und wesentlich. In der Naturerkenntnis folgen wir zwei Trieben, — der eine ist die Lust an der Einzelerscheinung, das liebevolle Betrachten einer Blume, des Meeres, der Sterne in ihrer sinnlichen Form. Er verdichtet die Wahrnehmung zum Erlebnis. Der andere bedingt die unendliche Abstrahierung von der Einzelerscheinung, er fragt nach ihrem Grund und Gesetz. Das konkrete Ding gilt ihm nur als Produkt aller auf seine Substanz wirkender Bedingungen. 79

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