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Blau-Weiss-Blätter · 1921-01-01 · 4-5 (1.1921) · p. Seite 78

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1920-1921)
Issue
4-5 (1.1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 78 (sequence 24)
Language
German
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geht, fühlt sich, indem er weiter vordringt, immer höher gebildet inrä^eSag^- licher" (Goethe, Spruche). Das soll aus diesen bruchstückenhaften Ausführungen klar hervorgehen: daß die scharfe Trennung zwischen Natur- und Geistes-1 Wissenschäften zu Unrecht besteht, daß man so wenig die Geschichte ohne die Geographie verstehen kann, wie etwa Psychologie ohne Physiologie Denn die Geschichte ist ein Teil der Natur: jener unendlichen, allumfassenden Natur, von der Goethe in einem Hymnus aussagt: »Wir leben mitten in ihr und sind ihr fremde. Sie spricht unaufhörlich mit uns, und verrät uns ihr Geheimnnis nicht. Was da ist, war noch nie; was war, kommt nicht wieder; alles ist neu und doch immer das Alte. Sie spritzt ihre Geschöpfe aus dem Nichts hervor und sagt ihnen nicht, woher sie kommen und wohin sie gehen. Sie sollen nur laufen, die Bahn kennt sie*. \ Auch mit der Geschichte hat die Natur „sich einen eigenen, allumfassenden Sinn vorbehalten, den ihr niemand abmerken kann". Aber den Sinn, den wir nicht erkennen können, ihn sollen wir erfüllen, »man gehorcht ihren Gesetzen, auch wenn man ihnen widerstrebt, man wirkt mit ihr, auch wenn man gegen sie wirken will". _ Wir gehorchen dem Willen der Natur, indem wir unseren Willen durchsetzen. Nicht das Herauslesen, sondern das Hineinschreiben, nicht das Unterlegen, nein, das Auflegen unseres Sinnes ist die Aufgabe. Literaturangaben. Geographische Soziologie. Alle Werke von Friedrich Ratzel zeichnen sich durch sachliche Gediegenheit, Weite des Blickes und überaus glückliche, für die Wissenschaft bahnbrechende Gedanken aus. Sie sind für uns von unschätzbarem Wert. Vor allem empfehle ich den ersten Band der *„ A n t h r o p.o g e og r a p h i e*, der die Anwendung der Erdkunde auf die Geschichte enthält. (In zweiter Auflage bei Engelhorn, Stuttgart 1899, erschienen.) Dann wenigstens den Allgemeinen Teil der wVölkerkunde". (2 starke Bände, 1887.) Außerdem kommt die »Politische Geographie" in Betracht, die formal über den andern Werken steht, inhaltlich aber kaum so berührt; von geringerem Wert ist für uns der zweite Teil der „Anthropogeographie", der das statistische Bild der Menschheit enthält. „Der Staat und sein Boden* ist nur eine Vorarbeit zur „Politischen Geographie". Allgemeine Soziologie. Ein einwandfreies Werk kenneich nicht außer den „Foundations eJ Sociology" von E. A. Ross. (New-York 1905.) Doch ist dies hervorragende Werk leider nicht ins Deutsche übersetzt; wer es im Original lesen kann, zieht sicherlich den größten Nutzen daraus; es ist das einzige Werk» das wirklich soziologisch denken lehrt. Das Beste aus der deutschen Literatur scheint mir Franz Oppenheimers „Staat* zu sein. (Rütten und Loenig, Frankfurt a. M.; in der Sammlung „Die Gesellschaft*.) Es ist im ganzen ausgezeichnet, leicht lesbar und nur in Einzelheiten, besonders hinsichtlich der Psychologie, angreifbar. Als Ergänzung könnte die kleine Schrift 78

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