Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 4-5 (1.1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Pflichten gegen ihn mit den allumfassenden gegen die Osmiemschaft. „An Heiligtümer schließen sich die griechischen Sammelnamen: an, Tempel waren die Mittelpunkte der Vereinigung, Priester haben die Idee dsr mationalen Einigung ausgebildet, fortgepflanzt und weit verbreitet. Das grirerrnische Volk aus einer Masse verwandter Stämme zu einem Volke höherer Kairtnr ausgesondert zu haben, war das Werk religiös-politischer Ordnungen* (Rsrrssl). „Bis zur Stunde, da der Bund am Sinai geschlossen: ^wurde, war der Zusammenhang der Stämme sehr locker gewesen. Das änderte 3ich jetzt. Die Stämme, die sich Jahre verbunden hatten, fühlten sich aucm untereinander verknüpft So wurde der Sinaibund zur Stammesköalition. SRrzhi ökonomische Faktoren, nicht Politik war es, die aus den Stämmen eat "¥nTk geschaffen haben, neben den Banden des Blutes war es die Religion* (W^srnlielmer), Solche Religionen aufstrebender Völker, Nationakeßgihnisn, sind stets mehr oder minder auch Landssreligionen, sie sind getränkt mnä gesattigt mit Bodengehalt. Wenn man die geographischen Gegensätze disr Länder und Völkerschaften innerhalb Persiens ins Auge faßt, den unaufbörüehen Kampf der angesiedelten Bevölkerungen mit den Bewohnern der Steppe^ üen Kampf, den das angebaute Land selbst mit der immer wieder vordringenden Wüste kämpft, dann sollten die Ideen des Zend etvesta gleichsam als boceiissSniüig und naturgemäß erscheinen. Dann kann man Ormurd geradezu als Qoit des Ackerbaues auffassen, dessen guten Werken Ahriman verderbliche Schöpfungen einer menschenfeindlichen Natur entgegenwirft. Leopold von Ranke semrieb in diesem Sinne: „Die ägyptische Religion ist auf die Natur des Nillandes, die persische auf den Anbau von Iran gegründet * Wenn aber der lange und furchtbar überreizte politischer Tßeb ermattet» der Wille zum Volke schwindet, dann tritt die Religion als Rsiigion der Liebe auf, und von allen Stammes mäßigen, lokalen und nationalen: Bindungen losgelöst, vermag sie Völker und Rassen, ja ganze Brdteile ztr roherer Einheit zu umfassen. In der Zeit allgemeinen politischen Verfalles besaß das in Palästina geborene, in Afrika zur Weltreligion gewordene und nx Italien mit den Elementen antiker Kultur getränkte Christentum die Kraft, Italien, Gallien und Germanien, ja das Morgen- und Abendland zu vereinen. Es glaube niemand, die Nationalreligion wäre nur eine ^aarstufe zu der höheren Menschheitsreligion; vielmehr sind beide, die Religion: sbs nationalen Bundes, wie die Religion der Menschenliebe, Grundformen, die nrirrner wiederkehren. Wie der große russische Leitgedanke des Panslawlsmns aus seiner Verbindung mjt-der griechisch-orthodoxen Kirche immer erneais ICraft zog. s© ist der englische Imperialismus durchaus religiös gefärbt: mam üese nur Dichtungen Rudyard Kiplings, etwa sein »RecessionaTV Und andererseits suchen Rabbiner, die nicht an das jüdische Volk glauben, schon längs sine Nattonalreligion ihrer Sonderart zu entkleiden und zu einer allgemeinen Religion der Menschenliebe zu machen. So erweist sich der Ausspruch Rankes in seiner maßvnlfen Fassung ate voll berechtigt. Wo ein aufsteigendes Volk an sich nnd seine Sendung glaubt» wird seine Religion national, und „Ein Volk ist tot, wenn seine Qöiter tot sind*. 74.