Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 4-5 (1.1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Zerstreuung zuvorkomme, wenn ich nicht in einer fieberhaften Methode walle, die bald fliegt bald kriecht, sondern stets mit einem gleichen Auge alle bemerke; so kann ich die Blumen meiner Saat abbrechen. — Und wo zeigt sich die Gratie mehr als in den Sitten des Lehrers, wo man sogleich eine wirkliche Tugend von einer nur politischen Tugend unterscheidet, die blos ein Anstrich ist. So bald ein Lehrer aus dem vollen Schatze des Herzens seine Tugenden zeigt; so bald er es einsieht, daß er Seelen bilden soll, die durch das Blut eines Erlösers erkauft sind, so bald man das Gewissen als den besten Aufseher und Belohner fühlt, ein Gericht erwartet, da seine Taten gewogen werden und er entweder mit Stralen des Sonnenlichtes oder mit Finsterniß der Nacht angezogen werden soll, wenn er fühlt die Seelen, die ihm aufs Herz gebunden sind, o mit welchem Auge der Sorgfalt wird er auf seine und der Kinder Sitten wachen. — Plato sagt von Sokrat er wäre nie behutsamer, als in seiner Einsamkeit vor dem Genius und seinem Knaben Alcibiad. Wer wird hier nicht dem Sokrat folgen vor diesem kleinen Publikum, das genau sieht, sich leicht ärgert und wo durch Eine That eine Kindesseele verloren werden kann. - O ein hingerissner Augenblick, was kann er für Unkraut aussäen, was für Samen ausrotten, was für Gebäude zertrümmern. Jener Lehrer vergißt sich; und fährt auf,.er schäumt, die Augen flammen; er wird niedrig und sinkt zum Pöbel;' er vergißt, daß nicht der Mensch, sondern der Vater, der Lehrer, der Freund beleidigt ist, und daß dieser auch strafen soll: — die Gratie ist von ihm gewichen, er ist Furie I — O so ein Augenblick, kann das Zutrauen, das Ansehn und die Liebe der Kinder auf eine lange Zeit unersezHch niederreißen. Noch eins! Auch im Wohlstande der Schule muß die Gratie sich zeigen. — Zwar muß es immer die edle Einfalt der Schule verhindern, daß sie keine Tänzerakademie, kein Komplimentengymnasiüm, kein Platz der Charletanerie werde: — aber doch muß man nicht die Schulsitten den Sitten der Welt entgegensezzen können. Wie oft kopirt ein Affenschüler die Manieren seines Lehrers, die Wohlstandsfehler sind. Er wird seine Larve im Gange, in der Stimme, im Schulton, den er in die Gespräche bringt, in den Minen; was an jenem verzeihbar war, wird hier unverzeihlich. — Auch hierin sey also ein Lehrer Muster; sein Wahlspruch sey: Willst du mit Reiz ein Lehrer seyn, . *' sey, wie die Jugend frisch, wie die Unschuld fein, wie Vater voll Gefühl, so wie die Wahrheit frei und Patriotisch treu! — Ich breche ab und trete mein Amt an! Das Bild, das ich von eineni Lehrer der Wissenschaften und der Tugend gezeigt habe, soll das große Muster seyn was meine Bestrebungen und Kräfte, meinen Fleiß und Eifer auflodert; dies verspreche ich, und übrigens befiehlt mir die Gratie zu schweigen. Plutarch schildert in der Republik Sparta zwei Baumeister, die vor dem Volk stritten; der eine trat auf und zeigte ihnen in seiner Rede einen prächtigen Riß, von allem, was er thun wollte, der zwote trat unansehnlich hervor: aHes 7t i