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Blau-Weiss-Blätter · 1921-01-01 · 4-5 (1.1921) · p. Seite 69

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1920-1921)
Issue
4-5 (1.1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 69 (sequence 15)
Language
German
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Lehrer unätSroffienr herrscht I Es ist nicht .mehr Schule — es ist ein angenehmer Pflanzgarten; der Lehrer wandelt mit heiterer Stirn zwischen Freunden, die ihre Seele ihm geben. Er wird mit ihnen Jungling und trägt ihnen die Wissenschaften vor, wie er sie als Jungling hören wollte. Er wird ihr Mitschüler, arbeitet vor und muntert sie mit seinem Feuer auf, wie eine Kohle, die andre anglüht; von seinen Lippen voll Svada entwenden sie die Worte, und aus seinen Minen der Gratie lernen sie Weisheit. — Die Schule wird was sie bei den Römern war, 1 u d u s ein Zeitvertreib, was sie bei den Griechen war, ein Gymnasium, ein Uebungsplaz, wohin die Knaben neugeboren wie der Morgen, und munter wie die Gratien hineilten und sich gleichsam munter wie eine Blume machten. Die goldne Zeit der Einfalt lebt wieder auf, da Alcibi ad e s, der Jüngling, der das Meisterstück der Natur in Tugenden und Fehlern war, da diese Gratie an den Lippen des Sokrats hing, sich um seinen Hals schlang, ihm sein ganzes Herz entfaltete, gegen ihn als Vater brannte, und sich von ihm, auch in der grösten Hitze zurückhalten ließ. — . Doch diese goldne Zeit lebt bloß in meinem Bilde, und ist verblüht; unsre Alcibiades sehen um sich weit gefährlichere Reize, die die holdselige Anmuth des Lehrers überglänzen. Der Luxus, die feine Bequemlichkeit, die eine Unzertrennliche Begleiterin des Flors einer Stadt ist, hat für den Schüler gar zu starke Reize, als daß er sie nicht für der stillen Schönheit der Musen wählen sollte. Sezzen sie ihn, wie den Herkul zwischen die liebkosende Wollust und die stills Tugend, o wenn ihm nicht ein Mentor wählen hilft: so ist er verloren! und dieser Mentor, wer kann es seyn, als Eltern und Lehrer. O verbindet euch beide, um die Kinder von der glänzenden Uepplg^eit abzuziehen. Du Vater deines Kindes, das deine Hoffnung werden soll, siehe den Lehrer nicht als Lohndiener an, bediene dich seines Raths, seines Umganges — du Lehrer, suche deinen Wissenschaften auch so einen reizenden Luxe anzuschaffen, daß er jenem das Gleichgewicht leiste, führe die Huldgöttin in deine Wissenschaften und Schulsitten ein. % Man hat im Reich der Wissenschaften einen besonderen Theil den man die schönen Wissenschaften nennt, aber dieser Name scheint ein Ueberbleibsel von Babels Sprachverwirrung 2U seyn. Dieser versteht Historie und Erdbeschreibung, jener Poesie und Redekunst, ein anderer alle belles lettres der Franzosen, jener gar die Philosophie darunter; jeder seine Lieblingswissenschaft — Man verstehe darunter was man will; keine Wissenschaft ist an sich schön; durch den Vortrag wird sie eine W'üste oder ein Eden. Ein Genie schlägt auch auf den Boden des Sprachenstudiums, der Philosophie,- der Mathematik; es war eine Wüste und es keimen Blumen hervor. Was Midas ' berührte, ward Gold; was die Gratie berührt, wird Reiz; so verwandelt der schöpferische Früling das graue Erdreich in einen Teppich und das Eis der Ströme in einen schwimmenden Himmel. 1 Methode, Methode ists. m. H., die die Aufmerksamkeit fesselt: wenn ich lebhaft und nicht für Greise rede, jedes auf seiner neuesten Seite zeige, die MannTchfaltigkeit und Einheit glücklich verbinde, jeden Augenblick ganz die Seele anfülle, jede Saite der Aufmerksamkeit trelfe, jedem Schlupfwinkel der 69

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