Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 4-5 (1.1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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schließet er sich zu lernen, um aufzusagen, und nachher den Becher der Vergessenheit drüber zu gießen. — Man sage was man will! so lange ich keinen unmittelbaren Reiz an der Sache sehe, wähle ich sie nicht, ich treibe sie, um sie getrieben zu haben, und sie wird schwer. — Der Reiz, ist das Leitband, das die Jugend fesselt! Was haben wir vor eine bessere Aufmunterung? Was haben wir vor andre? die Schulinstrumente? o diese können Bosheiten bestrafen, aber nicht Tugenden wecken. Strafen durch Ehrbegierde? dies Mittel ist nur für feine Oemfither, nur im Anfange und nur selten zu gebrauchen, wenns nicht seinen Werth verlieren so!L Die Vorstellung vom künftigen Nutzen? O zum Unglück daß aber der Nutze nur künftig ist, daß der Jüngling aus seinem Alter gehen muß, um ihn zu fühlen, etwas das er so ungern thun will. „Das Ungewitter ist noch weit entfernt, der Schade ist einzuholen, die Ernte ist noch zu weit entfernt! Ich kann schlummern.* — Aber dies ist eine Pflicht, die Du Gott und den Eltern schuldig bistI Schuldig! o das ist hart! er bekomt einen Widerwillen an seinem Alter, wo er gehorchen muß, und windet sich zn seinem Schaden entweder ganz vom Gehorsam los oder er theilt sich, und wird ein Heuchler — Elendes Schicksal! und ihm kanns abhelfen, wenn man au! die Wissenschaften und Tugend einen Reiz ausbreitet-— „Siehe! o Jüngling, ich will dir deine Jugendjahre nicht verdrießlich sondern eben angenehm machen. Auf Blumen wollen wir wandeln, gib mir die Hand, als deinem Führer zur Glückseligkeit Du munst über dein Alter; auch ich war Jüngling, ich murrte wie du, aber glaube mir, ietzt wünsche ich mich zurück. Du hast das Wohl deiner Eltern in deiner Hand, du bist die Hoffnung und das Schrecken derselben Du kannst wählen, entweder die Tugend, und du wirst ihre Stütze seyn, sie werden dich mit den letzten Tcdestränen noch segnen; oder das Laster, und deine Mutter wird wünschen, einen Stein geboren zu haben, deines Vaters graues Haar wird mit Seufzen herunterfallen; wähle! du hast das Glück und Unglück deines Lehrers in deiner Hand. Jede Stunde, die du ihm abreißest ist von seinem Leben; er hoffte und muß zweifeln; er liebt dich und muß weinen.* — O wenn der Knabe von edlem Blut, von weichem Herzen und nicht pöbelhafter Erziehung ist, so wird dies an ihm wirklich wirken. Allerdings gehört ein Zutrauen dazu, daß ich die Sache weiß, daß ich die Wahrheit rede, daß ich sein Bestes will; und dies Zutrauen ^ann sich der Lehrer durch nichts geben, als durch die Reize, die der Wahrheit und liebenswürdigen Tugend eigen sind- — Den gelehrtesten Lehrer kann eiß Schüler schätzen, aber bloß wegen seiner Gelehrsamkeit wird er ihm nichts zutrafen; den scharfen Lehrer kann ein Schüler furchten, aber er wird ihn fliehen; nur den liebenswürdigen wird er schätzen, und achten, und sich ihm überlassen. Er muß auf seiner Stirn * gleichsam die einfältige und erhabne Wahrheit eines Vaters lesen können, der nichts spricht, was er nicht denkt» er muß das liebenswürdige und muntre Herz eines Freundes sehen; — 0°^ alsdenn hat der Lehrer alles gewonnen: seine Gratie der Einfalt hat der Jugend das Herz genommen: alles was er vorträgt ist schön; sie folgen ihm auch auf beschwerlichem Wege, sie hangen von seinen Lippen. — O meine Einbildungskraft verliert sich an so einen reizenden Ort, wo solche Gratie zwischen 68