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Blau-Weiss-Blätter · 1921-01-01 · 4-5 (1.1921) · p. Seite 66

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1920-1921)
Issue
4-5 (1.1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 66 (sequence 12)
Language
German
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zu den Wissenschaften, zur Tugend und Grundsätze zu leben einflößet — Eben der Gratie, die ich sehildre, sei auch diese Rede zu den Füßen gelegt* sie bestreue, Gedanken mit Einfalt und Ausdruck mit Blumen! Nein J es ist leider nicht der erste Begriff, den man mit einem Schulkhrer verbindet, daß ihn bei seiner Geburt die Gratie des Himmels angeblickt habe, daß er in seiner Jugend ihr seine Wissenschaften aufgeopfert hatte, daß sie ihn in die Schule begleitete, und sich gleichsam einen Ort voll Staub zur Werkstadt wählen sollte. — Freilich siehet man selten an einem Schullehrer, daß im Umgange sowohl, als in seinem Amte, auf seinen Lippen und in seinem Betragen die Annehmlichkeit wohnen sollte. Wie, schließt man, muß er sey», wenn er mit seinem Schulszepter zugleich alle Areopagus - Minen des Korinthischen Dionysius annimmt? Man macht den Schluß schnell, etwas hart, und vielleicht nicht immer mit Wahrheit; indessen kommt doch ein Bild heraus, so grotesk, als Hagedorn seinen Herrn Jost, und Nikolaus Klimm seinen Ziegenbock, Horaz den Orbil, und alle Alte und,Neue einen Pedanten schildern. Sein Kreis von Wissenschaften, sagt man, erstreckt sich vom Donat, unserm ersten Märtrer buche, an dem wir uns zu Doktors gelernt, und er sich zum Tagelöhner arbeitet, von diesem theuren Buche an, bis zu etlichen leeren Untersuchungen über das Ontologische Ding; seine Methode, fährt man fort, ist auch nach dem barmherzigsten Lexicon Pedanterei, seine sogenannte gute Sitten ein knechtischer Schulzwang; sein bester Wohlstand sey trockne Steifheit und ein Gängelwagen, der höflich grob macht; t O ist das das Bild des Lehrers: so ist ex ein Schrecken der Knaben, und seine Wohnung statt eine Wohnung der Huldgöttianen zu seyn, eine Hölle voll Staub; und solchen Begrif pflanzt man gemeiniglich den Kindern ein/ Die Schulen sind die ersten Gefängnisse, mit denen man ihnen droht, und wo man ihnen das Sitzen, das Lernen, und weis Gott! welche ritterliche Uebungen mehr beibringen werde. Einen Schulknaben — vielleicht weil man selbst unter seinem so mißgebildeten Lehrer in seiner Jugend sich formte — einen Schulknaben denkt man sich als einen, der blos vor die Schule lernt Wissenschaften lernt, die ihm nachher wie ein gelehrter Dunst zerfahren müssen, wenn sie nicht seinen Witz ersticke» sollten. Die Ammen haben unsern Kopf zum ersten Mal geformt; der Schullehrer zum zweitenmal; wem wir in die Weit träten, geschähe die dritte und notwendigste Bildung. — Ich will nicht die Schullehrer verteidigen, weil ich selbst einer bin; ich will nur ein paar Ursachen anführen, warum sie so selten mit dem Reiz ä& Gratie gesalbt sind. — Wer drängt sich gemeiniglich zu so staubicbten, unbskanten, Stellen, als wer mit einem niedrigen Loos, einer unfreundlichen Minerve, einem widrigen Schicksal, und unglücklichen Talenten zu kämpfe0 bat. Jenes feine Genie kehrt in die große Welt, und singt wie die Vögel* ncr die melodielose Schwalbe nistet sich an die Häuser und lernt bauen. — Zorn zweiten unterdrückt auch der offenbare Handwerkston, auf den man die Lebrcf ansieht, mit der Zeit den feinen Reiz, der in der Schule locket, und auf freiem Schauplatz glänzt. Wenn der feinste Geist 40 Jahre im Sibirisch«* Exilio lebt, wird er auch ein Ostiake; wenn man ihn offenbar auf den Fe*1 eines Lohndieners nimmt, verliert er allen Muth, mit der Ann eh»' 66

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