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Blau-Weiss-Blätter · 1921-01-01 · 4-5 (1.1921) · p. Seite 65

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1920-1921)
Issue
4-5 (1.1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 65 (sequence 11)
Language
German
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Ich will mich rechtfertiget* 1 Die Naturgeschichte ist das Feld, das nach vielen neuern und sehr gründlichen Erziehungsplanen vielleicht am allermeisten unter den Scbulwisserischaften, das Genie entwickelt, die Augen schärft, von einem zum andern überzusehen, ein Feld was die Aufmerksamkeit der Kinder einzig und allein vorzüglich beschäftiget und diese Wissen schaft fehlte — und sie ward sein Antheil; — die specielle Geschichte der Lander um uns giebt uns einen inneren Abriß von ihnen, und ist also so weit nutzbarer, als die universalhistorische oft nur ein bloßes Skelett wird; das Französische, die Mathematik, der Stil, alles Wissenschaften, die gleichsam die Gratie zu den Schulwissenschaften bilden, die man nicht bloß der Schule, sondern der Welt lernen muß; kurz, ein Mitarbeiter kann nach de m meisten gerechnet, ein Lehrer des Schönen und Weltmäßigen heißen, sollte es auch seyn, daß er sich bis zur Orthographie verirren muß. Will man ihn nicht als eine Säule der Schule ansehen, so betrachte man ihn als die Zierrath zu dem Ganzen, die also immer unentbehrlich ist, so lange diese Schule in einer Stadt steht, wo man keine Mö ochs mäßige Gelehrsamkeit hegen, wo man die gründlichen Wissenschaften mit NutzbarKeit und Gratie vereint sehen will; da der Geschmack unserer Zeit, indem sich das Nutzbare mit den Straten der Bequemlichkeit und des Anstandes kleidet, einen Wohlstand auch in die feinsten Beziehungen eingeführt, ja noch weit wichtigerer Ursachen wegen, will ich einige Betrachtungen hinstreuen: Die Gratie*), welch ein ungewohnter Ausdruck! Verzeihen Sie, meine Herren, dieses Wort, das in der neuern schönen Lüteratur schon das Bürgerrecht erhallen: nennen Sie es Reiz, Anstand, Schönheit, Anmuth, Annehmlichkeit, Holdseligkeit; alles dies sind Theile, sind Grade, sind Karaktere der Gratie, aber kein Wort einzelner -schöpft ihren Begriff ganz. Das, was die Griechen, die unnachahmlichen Griechen mit dem Namen der Ii i tnmlischen Venus benannten, was P1 a t o, der Lehrer der Schönheit, ^ls die Anmuth der Wissenschaften, und den Reiz der Tugend schildert, und gleichsam für ihrem Bilde niederknieet, die scb&ne Natur, die die Poeten und Künstler nachahmeten, die wahren Weisen und Tugendhaften an sich haben, den Reiz, den Plinius" venustas, und Quintiiian gratia nennt, den ShaftsbuTi seinen Virtuosen der Weisheit, der Tugend, und des Geschmacks zueignet; d^ese himmlische Göttin der Schönheit, will ich unter einem Menschlichen Bilde eines Lehrers und eines Schülers zeichnen in di© Schule sie einführen, ic den Ort, wo Jünglinge alle im Alter der Gratie ihre Bildung erwarten; ich will zeigen, wie sie ihre Reize über den Unterricht Und Methode, über den Karakter und die Sitten des Lehrers ausgießen muß, damit er den erhabnen Ernst und die Väterliche Annehmlichkeit gewinnt, die seinen Schülern das Htrz nimmt, und es möglich macht, daß er ihnen Liebe #) Vielleicht wird das .Wort Grade, ein in der neuen schönen Litteratur anersetzbares Wort einigen dunkel erscheinen, und Schulmässigcr werde ich sagen, wiefern mnss das Schöne mit dem Nützlichen verbunden werden? allein das Wort Scbön erschöpft lange den Begriff nicht. Die Gratie, von der ich rede, giesst ihre Reitze über jede Materie, die der Lehrer für seine Schüler auswählt; sie bestreut feine Metbode mit Blumen; sein Gesicht macht sie heiter und los von den Stürmischen Affekten,, die die Stirn verdunkeln. (Herder.)

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