Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 4-5 (1.1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Strömung im Blau Weiß worthaft geblieben waren, und nur Wenige erkannten, daß für den Einzelnen viel größere Möglichkeiten aufgetan waren Liegt es doch im Sinn jenes Prinzips, nicht erst lange zu waiten, bis der erlösende Stoff kommt, sondern dort, wo man sich gerade befindet, zuzupacken. Die Welt der Dinge ist unendlich, und unendlich sind die Möglichkeiten für jeden Einzelnen, der es nur ernst mit sich meint Es ernst mit sich meinen aber heißt, und damit komme ich auf das zurück, womit ich anfing, nichts schlechthin als Gegebenheit anzusehen, sondern alles als Aufgabe. Und sie zu erfüllen, darin besteht gerade unser Olück. Breslau. Martin Bandmann. Von der Gratie in der Schule. Von Johan Gotfried Herder. In der uns Heutige meist fremd berührenden blumen- und schnörkelhaften Rethorik seiner Zeit spricht Herder in vielen seiner Schulreden glänzende, seinem Jahrhundert weit vorauseilende Grundsätze einer neuen, edlen und naturhaften Erziehung aus. Es verlohnt sich, die Kostbarkeiien aus der barocken Umhüllung herauszusuchen. In der hier wiedergegebenen Rede des ganz jungen Herder sind die panegyrischen und nur formelhaften, offiziellen Abschnitte fortgelassen. Eine gute Ausgabe der Schulreden ist bei Reclam in X.eipzig erschienen. _--Ich weiß, hochedle und hochweise Herren, Sie fordern yon mir nicht, daß ich Ihnen gleichsam eine Schulprobe über ein hinkendes Schul» thema, mit trocknen Schulgeberden deklamiere, daß ich dabei alle Handwerksformen unserer Redekünstler plündere, und Ihnen statt eines blühenden Cörpers, ein Gerippe von Gründen darstelle. — Statt Worte zu säen, kann ich Sachen pflanzen, und da ich schon meine Steile kenne, da ich selbst die meisten Classen dieser Schule durchgegangen bin, und mir schmeichle, überall mehr als ein Handwerkslehrer gewesen seyn; worüber soll ich eher reden, als wenn ich von dem Wege, der mir angewiesen ist, und den ich antrete, rede. Es ist bekandt, daß in der Zeit, da man unsere Domschule etwas von den galten Schlacken reinigen, da man etwas den alten Wandel nach väterlicher Weise einschränken, und dem Gebäude außer einer Vestigkeit noch einen äußern Glanz der Schönheit geben wollte, die Stelle eines Mitarbeiters bewilligt wurde. Die verdienten Väter dieser Schule beliebten die Palingenesie, den ehemals gewesenen Calligraph nicht in einen Vikär, und Füllzügel der übrigen Classen, denn dies ist wirklich bloß eine gute und nützliche Nebenabsicht gewesen, sondern ihn, in einen Lehrer umzuschaffen, der die großen Lücken im Plan dieser Schule einigermaßen auszufüllen, der die Schulwissen- Schäften mehr mit dem Angenehmen, mit dem | Brauchbaren, mit der Welt versöhnen sollte. * * ' 64