Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 4-5 (1.1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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läge. Und ebenso steht es mit der persönlichen Fühlungnahme zwischen den Führenden und der Führerschaft des stärkeren Bundes! Wie man helfen kann läßt sich weder kurz andeuten, noch auf eine Formel bringen. Jedenfalls ist es wichtiger, über Dinge der täglichen - Arbeit sich zu unterhalten, als große geistige Fragen zu besprechen. Und' am tätigsten wird man sich immer erweisen können, wenn man sich, wohin man auch immer kommt, bewegt, als gehöre man einfach zum Leben des Bundes. Wieviel kann geholfen werden, wenn man es versteht, Erfahrungen und Kenntnisse, ganz sachlich und ganz praktisch, zu übermitteln! Und ein Briefwechsel, in dieser Weise geführt, kann unter günstigen Umständen belebendste Wirkung zur Folge haben, Ein solcher Briefwechsel verbindet auch die Bünde mit der Bundesleitung. Aber es ist nicht überall so, daß er wirklich von der Art ist wie notwendig. Hier liegt für Euch eine der wichtigsten Aufgaben. Denn alles was ich vorhin von jener Kräftekette „Führerschaft — Zug — Führerschaft" gesagt hatte, hat hier ganz ähnlich seinen Platz. In der Bundesleitung laufen alle Ströme zusammen, die von den Bünden ausgehen, und von ihr gehen die Befruchtungen, Anregungen und Entscheidungen aus. Es ist ein vollkommenes fiin und Her von Geben und Nehmen, und zwar von solcher Notwendigkeit und solchem Auf einander-Angewiesensein, daß eine Lücke in dieser Kette sich sogleich empfindlich bemerkbar macht. Wenn das Bewußtsein hiervon nicht überall gleich stark ist, so liegt das an Euch und nicht an der Bundesleitung. In ihr liegt der wirkliche Mittelpunkt unseres ganzen Lebens, und es ist nicht paradox, wenn man sagt, daß es ohne sie keine Bünde gäbe. In ihr verkörpert sich die Idee des Gesamtbundes. Und mag aus den verschiedensten Ursachen heraus hie und da das Gefühl dafür gemindert oder gar geschwunden sein, daß wir nur durch diese Idee selber sind, so ist es doch so. Ein keineswegs äußeres Zeichen dieses Kräfteaustausches zwischen Bünden, Leitung und Bünden ist die Führerzeitung. An Euch'liegt es, an wem sollte es denn liegen, einen ersten Anfang in einem immer reicheren Werk fortzuführen, daß, ^dem Begriff der Zeitung gemäß, die ganze Fülle unseres Lebens sich in ihm niederschlage. Eine schwierige Frage ist die Zeitschrift der Jüngeren. Doch über sie mag in der Diskussion noch ausführlich gesprochen werden. Damit sind die Dinge, über die ich heute sprechen wollte, sämtlich berührt Wörden. Wenn ich s nicht schon hier schließe, so ist es nur um den Punkt zu kennzeichnen, auf dem wir uns befinden. Als das Chaos von Sachsenheim zu tiefen Depressionen geführt hatte,'erwachte überall im Frühjahr dieses Jahres die Lust, aus der „Krisis* herauszukommen, und die Anschauungen, die bald in Umlauf kamen und den Weg, der einzuschlagen sei, durch das Schlagwort „Gegenständlichkeit* bezeichneten, fielen auf fruchtbaren Boden. Und 50 mag die Einheitlichkeit von Mühlberg Ausdruck der Tatsache gewesen sein, daß man allerseits^wieder den~gemeinsamen Weg gefunden hatte. ' Aber hie und da schreckte man gerade jetzt zurück. Einer Arbeitsweise, die so viel von einem forderte, schien man nicht gewachsen zu sein, und wenn man zu ihr auch alles Vertrauen besaß, verlor man das rechte Vertrauen auf sich selber. Das geschah aber hauptsächlich deshalb, weil die Begriffe der neuen