Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 4-5 (1.1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Ueber das Turnen besitzen wir keine Erfahrungen oder können praktisch nur von Mißlungenem berichten. Das will aber gar nichts sagen. Es ist unbedingt eine starke Notwendigkeit iür uns. Daß das Singen eine Krisis durchmacht, wissen wir alle, und Oeorg Strauß hat, als er in seinem Aufsatz am Schluß den Konflikt zwischen Volks«, lied und Kunstmusik berührt, auch den Grund hierfür angegeben. Daß die Krisis überwunden werden wird, ist gewiß: Bei uns in Breslau hat man noch vor einem Jahr nicht mehr gesungen und man singt heute wieder. Und zwar mit Verstand. Sehr gern würde ich über Zeichnen und Handfertigkeit sprechen: liegt doch hiervon bei uns nicht, allzuviel vor. Und ich bin überzeugt davon, daß diese Erscheinung nicht den absoluten Mangel an Kräften bedeutet, sondern vielmehr einen Mangel an Anregung und Erweckung. Im Zusammenhang damit könnte auch das Photographieren ganz anders ausgebaut und seine pädagogischen Werte genutzt werden. Aber Erörterungen hierüber führten im Augenblick zu weit. Damit ist. ungefähr ein Umriß unseres Lebens gegeben worden. Vobt Führerschaft, Zug, Fahrt, Heimabend usf. ist gesprochen worden. Und wenn ich jetzt, bevor ich die Beziehungen eines Bundes zu den andern und zum Gesamibunde betrachte, zwei Bemerkungen über Zukünftiges mache, so geschieht es einfach deshalb, weil wir heute eine Tagung haben, auf der eben alles besprochen werden soll. Die erste betrifft den Tanz. Wir sind sicherlich noch nicht weit genug dazu. Aber hier und da waren Ansätze vorhanden» und ich weiß nicht, aber ich ahne es, daß für manche Bünde der Tanz schon etwas bedeuten kann. Ihr werdet Euch wie Ich an Obisch erinnern, wo man noch die Horra getanzt hat. So wenig jemand von uns wollen wird, daß einer von denen, die damals die Tänzer waren, auch heute noch irgend eine Rolle spielt, so wenig wird man damit etwas Stichhaltiges gegen den Tanz aus-. gesagt haben. Lieber die Hand weg, das ist klar, von einer so leicht verletzlichen Sache, wenn man glaubt ein etwa hervorstrebendes Aesthetentum nicht richtig beherrschen und lenken zu können, aber doch keine Täuschung darüber» daß nur die Allerwenigsten von uns ein Bewußtsein von ihrem Körper haben. Und damit hängt eine zweite Sache zusammen. Man ist noch lange nicht so weit, aber einmal wird es doch möglich sein, daß ein Bundestag ein Fest wird. Ueber diesen Gedanken läßt sich bestimmt nur andeutungsweise reden. Ein Fest kann nicht gewollt werden, wenn es auch immer gestaltet wird. Man soll heute nur klar sehen, was uns fehlt und daß hier Möglichkeiten für die Zukunft vorhanden sind.-- Von diesem Ausblick zurück zur Gegenwart Die Entwicklung eines Bundes^ wurde geschildert und an ihr manches Allgemeine aufgezeigt Damit aber ist diese Entwicklung keineswegs ausgeschöpft gewesen. Sondern in dem Augenblick, in dem der Bund nur einigermaßen gegründet und gekräftigt war» strebte er nach außen. Es soll nicht von der besonderen Aufgabe gesprochen werden, die wir uns für die oberschlesischen Bünde gestellt haben. Sondern nur von der selbstverständlichen Notwendigkeit, den Bünden, die um einen stärkeren herumliegen, von diesem aus zu helfen. Die reichliche Kenntnis der Lage und Nöte, und zwar durch Augenschein, ist hierfür natürlich die Grund- 62