Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 3 (12.1920)
- Date
- 1920-12-01
- Page
- Seite 53 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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März, die Ernte Ende Juli bis Anfang August Aber der nicht schwere Boden läßt sich bei der regelmäßigen Feuchtigkeit leicht bearbeiten. Solche Umstände wirken außerordentlich stark auf die Arbeitslust ein. — öie Aecker und Wiesen des Gutes liegen ziemlich geschlossen um den Hof herum, so daß wenig Zeit auf dem Wege vom und zum Hofe verloren geht. Der Fruchfanbau ist der im südwestlichen Deutschland übliche: alle Getreidearten, Kartoffeln, Rüben, Klee, Mais, Kohl und anderes mehr. Unten am Bache, gleich neben dem Hofe anfangend, ziehen sich die Wiesen hin, die so von Natur doppelte Feuchtigkeit haben und kräftiges und reichliches Futter liefern. Die Aecker schließen nach oben an. — Besonders interessant ist 4er Oarten des Markenhofes. Und zwar deshalb, weil er noch im Werden begriffen ist Der Boden selbst ist noch nicht lange in Gartenkultur und darum noch kein richtiger Gartenboden. Und auch für die Kulturen hat man noch kein festes Schema gefunden. Es wird so ziemlich alles, was Gartenkuliur verlangt, dort angebaut. Das macht ein bischen den Eindruck einer Versuchsstation. Aber die Hauptsache Ist, daß auch im Garten nichts planlos geschieht Es wird zielbewußt und nach klarem Plane gearbeitet, und was sich am Schlüsse als das Beste erweist, wird beibehalten. Das, was den Markenhof in landwirtschaftlichen Dingen über andere jüdische Lehrguter hinaushebt, ist die klarere Richtung auf Ausbildung in den landwirtschaftlichen Zweigen Palästinas angenäherten Kulturarten. Gelände und Witterungsverhältnisse machen das Gut hierzu geeigneter als andere, aber auch in Einteilung der Arbeit und der Auswahl der Fruchtarten wird versucht, für Palästina vorzuarbeiten. So wird dem Obst und dem Nutzgarten eine besondere Pflege zugewandt, der Stallbetrieb ist auf rationelle Ausbildung in der Viehz u c h t, nicht nur in der Ernährung und Pflege, eingestellt, so daß einerseits die Praktikanten einen Begriff von den in Palästina angebauten Fruchtarten bekommen, andrerseits Kenntnisse hinbringen können, die für das ganze Land von Nutzen sein werden. IL Die Bewohner des Markenhofes, Praktikanten und Praktikantinnen sind, obgleich alles in ihrem täglichen Leben, Arbeit und Ruhe, ihnen gemeinsam ist, noch nicht zu der Gemeinschaft zusammengewachsen, die sich an andern Stellen schon gebildet haben; und Konnten es auch noch nicht Die meisten von ihnen sind erst ganz kurze Zeit da, einige wenige länger; doch das wesentliche ist, daß Keiner da ist, der als unbestrittener Führer das Ganze in der Hand hat So hat sich eben nicht der gemeinsame Geist entwickelt, der die erste Vorbedingung für freudige und gute Arbeit ebenso wie für den wahren Genuß der Arbeitsruhe ist. Hier liegt ein Mangel, dem, wie ich glaube, nur dadurch abgeholfen werden kann, daß die Zusammensetzung der Praktikanten des Markenhofes nach einheitlichen Gesichtspunkten erfolgt und nicht scheinbar planlos Leute eingestellt werden, weil die Arbeit drängt Wieviel mehr geschafft werden kann, wenn das Zusammensein der Leute mehr ist als ein bloßes Nebeneinanderhinleben, kann jeder beurteilen, der solche Verhältnisse andernorts kennen gelernt hat Hiervon hängt, wie ich glaube, in weitgehendem Maße die Zukunft des Markenhofes als Ausbildungsgut für unsere zionistischen Praktikanten ab. Denn sonst sind alle Vorbedingungen