Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 3 (12.1920)
- Date
- 1920-12-01
- Page
- Seite 52 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Und doch kann, glaube ich, auch bei Erfüllung aller Voraussetzungen, die von uns in Holstein gewählte Form der Gruppenausbildung nur die Vorstufe sein zu unserem endgültigen Ziele: der Siedlung Hier allein ist die Synthese des gemeinsamen Lernens und des gemeinsamen Lebens gegeben und hier allein fallen alle im Voraufgegangenen geschilderten Hemmungen und Schwierigkeiten lür den einzelnen fort. Und wenn auch, nicht verkannt werden darf, wie sehr es uns an genügend ausgebildeten und zur Leitung von Siedlungen befähigten Menschen mangelt, so wird die Gemeinsamkeit der Arbeit für die eigene Sache und das von allen Mitgliedern der Siedlung gleichmäßig getragene Gefühl der Verantwortung diese Widerstände zu überwinden wissen. Berlin Gerhard. Jacobsohn Der Markenhof bei Freiburg. I. „Jüdisches Lehrgut Markenhof" — das ist das erste, was dem Besucher des Lehrgutes auffällt: Ein Schüd vor dem Eingang. Da steht ein neues, geschmackvoll gebautes, weißangestrichenes Haus mit Holztäfelung und einer Veranda. Links von der Eingangsiür geht es in den Speise- und Aufenthaltsraum. Lange Tische und Bänke, ein Schreibtisch, ein kleines Regal zwischen den Fenstern. Das macht einen sehr gemütlichen, anheimelnden Eindruck. So habe ich mir recht eigentlich einen Raum vorgestellt, in dem man nach der Arbeit zum Essen, zum Lesen, zum Singen und Erzählen zusammenkömmt. Es' gehört zu einem solchen Zimmer die Vorstellung, daß man hier manchmal laut und lustig sein kann,, singen und tanzen.(Platfe g^gist^uad manchmal auch ruhig zusammensitzen, lesen, nur im Flüsterton sich unterhalten» auch ernste Gespräche führen kann. All diese Bilder konnte ich mir in diesem Zimmer vorstellen. — Daran anschließend eine kleine Synagoge, schön eingerichtet, mit bunten Fenstern. — Das Haus im ganzen ist sehr sauber» fast zu sauber für seine Insassen; aber schließlich ist es nicht zum Ansehen» sondern zum Wohnen da. Eine wundeivolle Einrichtung sind djp Waschräume, Becken mit fiießendemWasser, Duschen, so sauber wie in einem Krankenhaus. Es ist eine fast angenehme Vorstellung, sich hier jeden Morgen waschen zu können. Alles andere, Küche Schlafräume usw. ist zweckentsprechend, * hell und freundlich. Vor dem Hause ist ein Ziergarten, einfach zum Spazierengehen. Erstaunlich. Klein- und Großviehställe, Futterscheune, die große Erntescheune, dann eine eigene Elektrizitätskraftanlage, die Kraft und Licht liefert, alles sieht sehr sorgfältig aus. Das sind reine Zweckbauten, aber verständnisvoll angeordnet und praktisch, und darum auch im Anblick schön. Es wird auch schon wieder gebaut auf dem Markenhot Ein neues Stallgebäude für Federvieh» eine Hanshaltungsschule. Es steckt Leben und Unternehmungsgeist darin.. Das Gut liegt in dem breiten Tal der Dreisam, das sich in den Schwarzwald hineinzieht. Das Tal ist den Westwinden offen, gegen die andern Himmelsrichtungen durch Berge geschützt So regnet es viel da und das ist günstig für das Wachstum. Allerdings hat der viele Regen und die Höhenlage auch einen Nachteil: alle landwirtschaftlichen Arbeiten sind spät im Jahre, die Saat nicht vor Mitte 52