Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 3 (12.1920)
- Date
- 1920-12-01
- Page
- Seite 51 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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von uns einen ständigen Kampf zu fuhren, um überhaupt an die etwas komplizierteren und interessanteren Arbeiten heranzukommen. Denn für den Bauern sind wir fast immer nur Ar-, beitskräfte, die er nach Möglichkeit ausnutzt, und an unserem Lernen hat er nur solange Interesse, als ihm sein eigener Vorteil dadurch nicht gefährdet erscheint Da nun das Bedienen von Maschinen oder das Erlernen schwieriger Handgriffe (Mähen u. ä.), kurz Jede Arbeit, die wir nicht beim ersten Jdale sofort erfassen, mit einem gewissen Zeitverlust für den Betrieb verbunden ist, so wird der Bauer geneigt sein, den Praktikanten an derartige Arbeiten nicht heranzulassen, sondern wird sie selbst tun oder von Knechten verrichten lassen. Um unseren „Lernstandpunkt* durchzusetzen, beduifte es In derartigen Fällen großer Energie und auch dann kamen wir nicht immer zum Ziele. — Daß neben diesen Schwierigkeiten in der Arbeit auch das rein menschliche Verhältnis zu dem Bauern, seinerpamilie und den Knechten für uns Gefahren in sich barg, wird jeder verstehen, der bäuerliche Verhältnisse und Lebensgewohnheiten kennt — Diese verschiedenen Gesichtspunkte müssen bei der Beurteüun von Bauernstellen geltend gemacht werden, und so haben wir von unseren neun holsteinischen Stellen nur drei zur Wiederbesetzung für das nächste Jahr empfehlen können. Zum Schluß möchte ich über das Zusammenleben der Praktikanten berichten. Soweit Leute in demselben Dorfe arbeiteten, waren sie jeden Tag nach der -Arbeit 1 —2 Stunden zusammen. Am Sonnabend Abend trafen wir uns dann alle an einem in der Mitte liegenden Punkte — bei gutem Wetter auf einer Wiese oder am Rande der Landstraße und bei Regen auf irgendeinem Heuboden. Jeder berichtete über die Arbeiten der vergangenen Woche, und wir sprachen über alle uns aus der Rundschau, Rundschreiben und Briefen zugegangenen Berichte von zionistischen Dingen, dem Leben des Blau Weiß usw. Zum Schluß wurde gesungen und dann .eilte alles nach verschiedenen Seiten heimwärts, da es immer sehr spät wurde, und wir auch am Sonntag zum Füttern früh aufstehen mußten; den Sonntegnachmittag verbrachten wir gleichfalls gemeinsam. — Diese allwöchentlichen Zusammenkünfte, die besonders im ersten Teile unseres holsteinischen Aufenthalts recht schön waren, sind uns allen ein dringendes Bedürfnis gewesen. Denn es ist klar, daß die oben aufgezählten mannigfachen Schwierigkeiten ungleich leichter zu überwinden sind, wenn die Möglichkeit gemeinsamer Aussprache über Dinge der täglichen Arbeit wie auch über die unsere Leute bewegenden sonstigen Fragen gegeben ist Es hat sich durchaus bewährt, daß die meisten von uns schon vorher gemeinsam gearbeitet und so ein bestimmtes Verhältnis zueinander gewonnen hat en. Und als mehrere von diesen Leuten uns schon nach wenigen Monaten verlitßen, um Ende des Sommers nach Palästina zu gehen, hat ihr Weggehen eine tiefgehende Wirkung auf dasZusammenleben der übrigen gehabt lsi so bei der Zusammenstellung von Praktikantengruppen, die in derselben Gegend arbeiten wollen, eine gewisse Menschenauswahl durchaus notwendig, so ist sie eine ganz unerläßliche Vorbedingung, wenn zwei Jungen allein auf dieselbe Stelle gehen. Das ist nur möglich bei Leuten, die sich sehr lange und sehr genau kennen und — wie ciie Erfahrung gezeigt hat — bisher in den seltensten Fällen gelungen.