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Blau-Weiss-Blätter · 1920-12-01 · 3 (12.1920) · p. Seite 49

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1920-1921)
Issue
3 (12.1920)
Date
1920-12-01
Page
Seite 49 (sequence 19)
Language
German
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B ER I Die jüdische Siedlung Halbe. Die jüdische Siedlung Halbe ist im Februar 1920 gegründet worden; sie besteht aus 8 männlichen und 4 weiblichen Mitgliedern. Halbe umfaßt ein Gelände von ca. 90 Morgen, von denen 35 Morgen unter dem Pfluge sind, während 10 Morgen gärtnerisch genutzt, werden; der Rest entfällt auf Wald, Seen, Gehölz und Unland. Das Ge^ lande bot der Bearbeitung enorme Schwierigkeiten, da der Boden stark verunkrautet war, daraus erklärt es sich auch, daß die Ernte des eisten Jahres äußerst' ^gering gewesen ist. Trotzdem kann man meiner Meinung nach damit rechnen, daß das hineingesteckte Kapital an Arbeit sich mit der Zeit wieder herausarbeiten lassen wird, und <laß schon im Jahre 1921 die Ausgaben nicht höher sein werden, als die Einnahmen. Halbe als Lehrbetrieb bietet eine Vereinigung von landwirtschaftlicher und gärtnerischer Ausbildung, und zwar so, daß in der Landwirtschaft die Arbeit und Betriebsweise eines landwirtschaftlichen Kleinbetriebes gelehrt werden, im Gartenbau der Anbau von Gemüse. Man rechnet im Durchschnitt mit einer Lernzeit von I—l1/* Jahren, die jeder einzelne in Halbe zubringen soll. Entscheidend war der Gedanke, daß auch für Landwirte es in Palästina sehr wichtig sein würde, Gemüseanbau, zu können, und daß andererseits für Gärtner es sehr wesentlich sein wird, so viel wenigstens von Landwirtschaft zu verstehen, daß man zur Erntezeit mithelfen kann. Halbe ist der erste Versuch gewesen, ein Lerngut auf Grundlage einer Siedlung zu schaffen. Ist schon an und für sich eine Siedlung ein äußerst schwieriges Unternehmen, — wir sehen dies jetzt grade in Deutschem H T E land besonders deutlich, — so ist eine Lernsiedlung noch weit schwieriger. Es muß in einer Lernsiedlung zuerst unbedingt gefordert werden, daß jeder Einzelne, trotzdem er nur bestimmte kurze Zeit anwesend sein wird, die Siedlung als seine Heimstätte empfindet und so arbeitet und schaift, als wäre es sein eigener Betrieb. Dies von Jungen zu verlangen, die noch mit der Schwierigkeit des Erlernens stark zu schaffen haben, ist eine besonders große Anforderung. Andererseits sind die Vorteile nicht zu unterschätzen. Man lernt mehr, wenn man stärker an dem Betriebe interessiert ist und vergißt kaum auch nur die geringste Einzelheit. Auch das Zusammenarbeiten, speziell eine äußerst starke freiwillige Unterordnung unter die gemeinsame Leitung ist schwieriger als in jedem anderen Betriebe, wo diktatorisch der Besitzer herrscht. All diese Schwierigkeiten zu überwinden und es zu schöner gemeinsamer und fruchtbringender Arbeit kommen zu lassen, ist nur dann möglich, wenn ein starker Schwung zur gemeinsamen Arbeit vorherrscht und das Gefühl vorhanden ist, hier handle es sich um eine große, Wesentliche Sache, die von weiten Kreisen gestützt wird. Nur dann können solche Lernsiedlungen und überhaupt Siedlungen sowohl im Galuth als auch in Palästina entstehen. Dies sind Konsequenzen, die aus der bisherigen Arbeit in Halbe -gezogen werden müssen. Abschließendes über die Siedlung Halbe zu sagen, ist noch nicht möglich, da alles doch noch viel zu sehr im Fluß ist. Aber, daß bei wirklich letzter Anstrengung ein solcher Versuch gelingen kann, das darf auch ein vorsichtiger Beurteiler aus der bisherigen Entwicklung der Siedlung schließen. Max Hirsch, Halbe. 4 n

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