Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 3 (12.1920)
- Date
- 1920-12-01
- Page
- Seite 47 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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3. Speziellere Ausbildung -im Auslande und zwar in Holland bei einem Gemüsebauern. Hoffentlich gelingt es bald, dort Stellen nachzuweisen. Auch Süditalien und Sicilien könnte wegen des Orangenbaus und anderer südlicher Kulturen genannt werden; bislang haben wir aber noch Licht die Möglichkeit, dort jemand unterzubringen. 4. Ausbildung im Molkereiwesen. Die Aussichten dafür in Palästina sind nicht gering Wer besondere Neigung hierzu bat, findet Ausbildungsgelegenheit in Molkereischulen, wo nach einem mehrmonatigen Kurs, der theoretisch und praktisch ist, ein Examen abgelegt wird. Ich kenne solche Schulen im Weihenstephan h. Freising und in Boos b. Memmingen im Allgäu. Melken können muß man aber schon vorher, da die meisten M.lkschüler dort geübte Stallschweizer' sind. Danach käme ein Privatbetrieb, vielleicht in Holland in Betracht. Die Geflügel- und Bienenzucht bietet, um sie zum Hauptberuf zu machen, vorerst noch zu unsichere Chancen und gehört daher als landwirtschaftliche Nebenbeschäftigung mehr in das. Arbeitsbereich der Frauen. An den Gartenbauschulen werden gelegentlich 4—8 wöchige Baumwärterkurse abgehalten, die empfehlenswert sind, ebenso wie die neuerdings häufiger abgehaltenen Gemüsebaukurse. Allerdings kommen solche Kurse vor allem für den theoretischen Winter in Betracht. Auf weitere Einzelheiten will ich nicht eingehen und zu den Fällen übergehen," für die der geschilderte bäuerliche dreijährige Lehrgang nicht anwendbar ist ' Da sind zuerst die Leute unter 18 Jahren. Diese sollen überhaupt nur in die Praxis gehen, wenn sie besonders kräftig sind, anderenfalls mö^en sie lieber noch zwei Jahre auf der Schule bleiben und dabei möglichst viel Naturwissenschaften und Hebräisch treiben. Als praktische Vorbereitung kommt in Betracht: Eine Volontärstelle auf einem mittleren Gut, wie sie besonders in Süddeutschland viel angeboten werden. Der Betreffende hat da meist Anschluß an die Familie des Besitzers und die Arbeitszeit ist eine geregelter» als beim Bauern. Die Stellen müssen natürlich besonders sorgfältig ausgesucht werden. Zusammenarbeit mehrerer Kameraden ist unbedingt anzustreben. Ferner kommt für solche das Lehrgut Markenhof in Betracht. Staatliche Ackerbauschulen wie Hohenheim iür Württemberger sind gleichfalls zu nennen. Eventuell kann der Betreffende auch in Halberstadt ankommen, wos die Ausbildung zwar manches zu wünschen übrigläßt, aber immerhin eine Besserung zu verzeichnen ist und die Möglichkeit besteht, sich mit den meisten praktischen Handgriffen und den Grundbegriffen der Landwirtschaft vertraut zu machen. Diese Lebrztit hätte P/s bis 2 Jahre zu dauern. Danach würde ich ein Jahr Praxis bei einem Bauern empfehlen, wie ich es geschildert habe und darauf viflleicht ein halbes Jahr Theorie und noch ein Jahr Praxis wie für den bäuerlichen Lehrgang im dritten Jahr. Wer mit 15 oder 16 Jahren bereits imstande ist, in die Praxis zu gehen wird im allgemeinen besser daran tun, sich dem Gartenbau zuzuwenden, wo er gute Lerngelegenheiten hat. Er kann ja später, wenn ihn die Neigung dazu treibt, noch zur Landwirtschaft übergehen, was jedenfalls leichter ist als das Umgekehrte. 47