Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 3 (12.1920)
- Date
- 1920-12-01
- Page
- Seite 46 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Bücher lesen, wie Schlipfs Handbuch der gesamten Landwirtschaft urd über Spezialfragen, die Bücher der „Thaerbibliothek" oder die Broschüren der Sammlung „Tagesfragen aus dem modernen Ackerbau". Es hat keinen. Wert» von früh bis abends im Kolleg zu sitzen, die Lücken lassen sich später durch Lektüre ergänzen. Es sei besonders auf die Fachzeitungen hingewiesen Für wichtig halte ich es, daß in diesem der Theorie gewidmeten Wintet täglich einige Stunden auf Hebräisch verwandt werden. Die Ausbildung darin gehört nicht in den Rahmen meines Vortrags. Ich erwähne sie aber an dieser Stelle, weil ich glaube, daß nur in diesem theoretischen Winter ein Fortschritt möglich ist. Der Versuch, während der vorhergehenden Praxis Hbräisch zu f-^Ken. führt meist zu nichts und bedeutet gewöhnlich eine Zersplitterung der ■A-rafL . '• * es sich um zukünftige Bauern handelt und nicht um Administratoren oder x-anüwirtschaftslehrer halte ich es nicht für notwendig, länger als ein halbes Jahr auf die Theorie zu verwenden. Bietet sich nach Abschluß der praktischen Lehrzeit keine Möglichkeit, nach Palästina zu gehen, so kann man evtl. noch einmal einen Winter Theorie treiben. Es gibt ja auch landwirtschaftliche Wintersehulen mit zweisemestrigen Kursen. Dagegen wäre es sehr zweckmäßig, wenn der Praktikant sich im Winter etwas in gewissen handwerklichen Fertigkeiten auszubilden suchte, was neben dem Besuch einer Winter- *-hule Hospitant gut möglich ist. Die einfachsten Stellmacher- und Tischlerten, die zum Instandsetzen der Wirtschaftsgeräte erforderlich sind, sowie che Schmiedearbeiten kommen da in Betracht. Auch der vorhergehende „praktische Winter" bietet mitunter hierzu Gelegenheit Das folgende Frühjahr soll den Praktikanten wieder in der Praxis finden. In diesem dritten Jahre sind folgende Möglichkeiten in Erwägung zu ziehen: 1. Eintritt in eine selbstwirtschaftende Gruppe, wie es Halbe darstellt und zum Teil auch der Betrieb in Meran. Das landwirtschaftliche Wissen und Können wird dadutch erweitert und der Einzelne, der sich mitverantwortlich fühlt, zu größerer Selbstäi digkeit erzogen.. Dazu kommt der Vorteil daß sich eine Arbeitsgemeinschaft bildet, die vielleicht den Kern* zu späterer Zusammenarbeit in Palästina bilden kann. Hierfür brauche ich keine Propaganda zu machen, da der Andrang ohnehin größer ist als die Zahl der Vakanzen; deshalb sollten die Einzelnen — abgesehen von den Leitern rauch nicht länger als ein Jahr dort verbleiben. % 2. Weitere Ausbildung in einer Wirtschaft, die besondere Lerngelegenheit auf einem spezielleren Gebiete eröffnet Also z B. eine Wirtschaft mit intensivem Feldgemüsebau, wie sie zum Teil in Süddeutschland und in der Braunschweiger Gegend zu finden sind. Oder eine Wirtschaft mit besonders starker Viehhaltung für den, der bisher in einer viehschwachen Wirtschaft war. Oder eine Wirtschaft mit starkem Wein- und Obstbau, wo man unter Ums*änden auch Gelegenheit hat, die Verwerfüng, also den Kellereibetrieb, kennen zu lernen, dafür käme sowohl Tirol wie auch Teile von Süddeutschland in Frage. Auch die Stelle eines »Wirtschaftsgehilfen* oder »Baumeisters* auf kleinen Gütern, d. h. also eines Vogtes, der aber auch selber mitarbeitet, wird mancher schon ausfüllen können. 46